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Medien vs. Google - Politik will Runden Tisch

Medien Medien vs. Google - Politik will Runden Tisch

Die klassischen Medien in Deutschland wollen mehr Chancengleichheit im Wettbewerb mit Google, Twitter und Co.

München. Die klassischen Medien in Deutschland wollen mehr Chancengleichheit im Wettbewerb mit Google, Twitter und Co. Zum Auftakt der Münchner Medientage am Mittwoch beklagten Vertreter von TV, Hörfunk und Printmedien massive Wettbewerbsnachteile.

Für alle in der digitalen Welt müssten die gleichen Regeln gelten, forderte die ARD-Vorsitzende Monika Piel. Google mache über seine Videoplattform YouTube Fernsehen, unterliege aber weit weniger rechtlichen Beschränkungen, kritisierte ProSiebenSat.1-Vorstand Conrad Albert: „Wir brauchen eine einheitliche Regulierung.“

Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer griff die Forderung auf und kündigte für 2013 einen runden Tisch von Bund, Ländern und Medien an. Ziele seien weniger Regulierung und besserer Schutz geistigen Eigentums: „So viel Freiheit wie möglich und so wenig politische und rechtliche Hürden wie nötig“, sagte der CSU-Chef.

Burda-Chef Paul-Bernhard Kallen kritisierte Standortnachteile für deutsche Medien: „Wenn ich darüber nachdenke, dass jemand ein E-Book aus Augsburg mit 19 Prozent Umsatz besteuern muss und aus Luxemburg mit 3, dann sind das Wettbewerbsverzerrungen, dazu brauche ich keinen runden Tisch. Die muss ich einfach abstellen.“ Stefan Tweraser von Google Deutschland wies die Vorwürfe zurück: Google sei kein Fernsehsender und kein Inhalte-Anbieter, sondern nur eine Suchmaschine. Wenn Google zu einem runden Tisch zum Medienrecht eingeladen werde, nehme der Internetriese aber gerne daran teil. „Wir stellen uns der gesellschaftlichen Verantwortung“, sagte Tweraser.

Google hatte in Frankreich wegen einer drohenden Abgabe an Verleger damit gedroht, künftig nicht mehr auf französische Medienseiten zu verlinken. Danach war auch hierzulande der Streit über das Leistungsschutzrecht hochgekocht. Deutsche und französische Verleger verlangen von den Suchmaschinen eine Erlösbeteiligung.

Auch an anderer Front suchen die Verlage nach Einnahmequellen im Netz. Medienmanager Gerhard Zeiler forderte von den Zeitungen, Geld für ihre Online-Angebote zu verlangen. „Ich glaube, dass es in dieser Frage zu einem Strategiewechsel bei den Verlagen kommen muss“, sagte Zeiler. Viele seien bereit, Medien im Internet zu bezahlen. „Allein auf Apple-Geräten wurden in nur vier Jahren mehr als 25 Milliarden Apps geladen“ - viele davon kostenpflichtig, sagte Zeiler, der jetzt für den Medienkonzern Turner arbeitet.

Die Zeitung „Die Welt“ hatte jüngst eine Online-Bezahlschranke angekündigt. Auch die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ will ihr Geschäftsmodell anpassen und in zehn Jahren im Netz genauso viel verdienen wie mit ihrer gedruckten Zeitung. „Wir sind uns einig, dass wir unser Geschäftsmodell verändern müssen. Das enthält auch das Modell der Paywall“, sagte der Sprecher der Geschäftsführung, Tobias Trevisan. Die Bezahlschranke sei nur ein Bestandteil eines digitalen Gesamtkonzeptes und ihre Gestaltung noch unklar.

Zugleich bezweifeln Experten, dass Zeitungen nur im Netz überleben könnten. „Wenn das Produkt aus den Regalen, aus den Flugzeugen, aus den Hotels, aus den Kiosken verschwindet, dann wird es sehr schnell unsichtbar“, sagte Unternehmensberater Alexander Mogg (Roland Berger) „Das ist dann erst recht der Todesstoß.“ Der Geschäftsführer des Süddeutschen Verlages („Süddeutsche Zeitung“), Detlef Haaks, sieht das Printexemplar ebenfalls als wichtigen Imagefaktor, setzte den Akzent jedoch auf eine Produktfamilie unter einer starken Marke.

„Unsere Leser lieben diese Zeitung und sie lieben die Zeitung auch digital. (...) Ich glaube auch, dass das gedruckte Produkt noch lange bestehen muss, um das digitale zu stärken und relevant zu machen. Es ist aber ein Produkt in vielen Ausprägungen.“ In zehn Jahren wird die „Süddeutsche Zeitung“ nach Haaks' Erwartung nicht mehr mehrheitlich auf Papier gelesen.

Die Debatte um die wirtschaftliche Zukunft der Branche beherrscht die Medientage seit Jahren. Auch zur 26. Auflage zieht sich diese Debatte quer durch das Programm von insgesamt 90 Veranstaltungen. Europas größter Medienkongress geht bis Freitag und steht unter dem Motto „Weichen stellen - die neuen Gesetze der Medienwelt“.

Abseits davon wurde zum Auftakt der Medientage angesichts des Aufstiegs der Piratenpartei auch über die Bedeutung von Netzpolitik gesprochen. Für Meinungsforscher Klaus-Peter Schöppner ist der Hype um die junge Partei nach jüngsten Erfolgen bei Landtagswahlen aber schon wieder vorbei. „Sie haben diese Chance gnadenlos versemmelt“, sagte der Geschäftsführer des Meinungsforschungsinstituts TNS Emnid. Ein Einzug in den Bundestag sei 2013 „sehr unwahrscheinlich“.

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