Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Neu im Netz Neue EU-Regeln: Wie Netflix, YouTube und Co europäischer werden sollen
Nachrichten Medien Neu im Netz Neue EU-Regeln: Wie Netflix, YouTube und Co europäischer werden sollen
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
12:43 28.09.2018
Netflix und YouTube müssen Werbung deutlich kenntlich machen. Quelle: Matt Rourke/AP
Brüssel

Fernsehen ist out, Videoplattformen wie Netflix oder Amazon prime sind in. Doch bisher läuft der Wettbewerb in der EU nach unterschiedlichen Regeln ab. In der kommenden Woche will das Europäische Parlament die Internet-Dienste an die Leine legen. In Sachen Jugendschutz und Angebot müssen viele nachbessern – und auch YouTube-Stars sind von den Neuregelungen betroffen. Hier die wichtigsten Fragen und Antworten.

Warum will die EU die Spielregeln angleichen?

Weil alle diese Medien Wettbewerber sind, für die gleiche Bedingungen gelten müssen. Das beste Beispiel ist der Umgang mit Werbung. Wenn ein Tatort-Kommissar mit einem von einem Hersteller gesponserten Auto vorfährt, muss dieses Sponsoring zumindest im Abspann genannt werden. Auf YouTube gibt es viele kleine und große Stars, die Schminktipps für Mädchen geben oder andere Waren privat testen und dabei die verwendeten Produkte in die Kamera halten. Sie werden künftig auch angeben müssen, ob sie von den Herstellern finanziell oder durch Bereitstellung der Produkte unterstützt wurden.

Gibt es künftig denn mehr Werbung in den elektronischen Medien?

Bei dieser Auflage geht es nicht um mehr Werbung, wohl aber darum sie kenntlich zu machen. Im Fernsehen bleibt es dabei, dass zwischen 18 Uhr und Mitternacht insgesamt 72 Minuten (sechs Mal zwölf Minuten) Reklame ausgestrahlt werden kann, wobei eine laufende Sendung nur alle 30 Minuten unterbrochen werden darf.

Wird auch beim Jugendschutz nachgebessert?

Ja. Jugendgefährdende Inhalte müssen nun auch bei Streaming-Diensten oder von den Betreibern der Videoplattformen kenntlich gemacht werden. Außerdem fordert die EU Altersverifizierungssysteme, damit Eltern notfalls Filter zuschalten können, um ihre Kinder vor nicht geeigneten Beiträgen zu schützen. Wichtig ist aber, dass es keine Vorab-Kontrolle geben soll. Allerdings müssen Netflix und Amazon prime ebenso wie andere Beiträge entfernen, wenn die Aufsichtsbehörden feststellen, dass die Sendungen nicht für Jugendliche geeignet sind.

Die EU drängt darauf, europäische Produktionen stärker zu unterstützen. Was soll das?

Es gibt eine vergleichbare Regel bereits für die Fernsehsender. Die müssen ihr Angebot zu 50 Produzent mit europäischen Produktionen bestücken. Netflix und andere sollen künftig rund 30 Prozent europäischer Streifen im Angebot haben – derzeit sind es zwischen 18 und 24 Prozent. Der Hintergrund ist klar: In der EU gilt die Filmförderung als kultureller Auftrag. Wenn Videoplattformen vor allem amerikanische Streifen zeigen, machen sie hier viel Geld, mit dem sie die eigene US-Filmindustrie unterstützen. Dieser Anteil soll etwas ausgewogener sein.

Und wenn eine Videoplattform sich weigert?

Es gibt die Möglichkeit, sich von der Verpflichtung freizukaufen. In diesem Fall müsste ein Unternehmen dann einen entsprechenden Betrag an den Filmförderfonds der EU zahlen, der wiederum hiesige Produktion mitfinanziert.

Wann treten die Neuregelungen in Kraft?

Die Zustimmung des Europäischen Parlamentes in der kommenden Woche gilt als ziemlich sicher. Danach haben die Mitgliedstaaten 20 Monate Zeit, um die Reform in ihr nationales Recht zu übernehmen.

Von Detlef Drewes/RND

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 22:00 und 07:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Experten haben eine schwerwiegende Sicherheitslücke in Windows-Notebooks aufgedeckt. Eine neue Schadsoftware nistete sich so ein, dass sie den gesamten Datenverkehr umleiten kann. Drahtzieher könnte eine berüchtigte Hackergruppe sein.

28.09.2018

Viele Verbraucher kennen TomTom noch vom Navigationsgerät in ihrem Auto - doch inzwischen ist die Firma ein Schwergewicht im Geschäft mit Verkehrsinformationen und anderen ortsbezogenen Daten. Ein lukrativer Bereich könnte nun verkauft werden.

27.09.2018

Wie schafft es ein Artikel auf Platz eins der Google-Suche? Platziert Amazon seine eigenen Produkte prominenter? Die EU lässt große Tech-Unternehmen nun genauer überprüfen.

27.09.2018