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20.15 Uhr: Die letzte Chance für Martin Schulz

Kommentar 20.15 Uhr: Die letzte Chance für Martin Schulz

Der Herausforderer Martin Schulz betritt am Sonntagabend das Studio als klarer Außenseiter. Es gibt nur ein Duell vor der Wahl, und das will er nutzen. Gut 90 Minuten haben beide Zeit, Merkel und Schulz, einem von vielen als langweilig empfundenen Wahlkampf Leben einzuhauchen.

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Ein Kommentar von Lars Fetköter

Der Herausforderer betritt das Studio als klarer Außenseiter. Es gibt nur ein Duell vor der Wahl, und das will er nutzen. Er ist gut vorbereitet. Er argumentiert scharf und bleibt dabei gelassen, während sein Gegenüber mehr und mehr ins Schwitzen gerät. Am Ende ist der geglückte Schlagabtausch im Fernsehen einer der Impulse, die das Spiel drehen: CDU-Spitzenkandidat Daniel Günther zieht am favorisierten Amtsinhaber Torsten Albig vorbei und wird Schleswig-Holsteins Ministerpräsident.

Ein TV-Duell als Auslöser einer Trendwende. Das könnte auch Martin Schulz gebrauchen. Der SPD-Chef und Kanzlerkandidat liegt in Umfragen nahezu aussichtslos zurück. 28 Prozent der Wähler würden sich laut Politbarometer für ihn entscheiden, wenn sie den Bundeskanzler direkt bestimmen könnten, 57 Prozent würden für Angela Merkel stimmen. Bei der Sonntagsfrage liegt die Union bei 39 Prozent, die SPD rangiert bei 22 Prozent und damit fast so schwach wie vor Schulz’ Nominierung. Die Deutschen scheinen sehr zufrieden mit Merkel zu sein.

Die Kanzlerin bleibe im Ungefähren, lautet der Vorwurf von Schulz, sie weiche den Themen aus und damit der Auseinandersetzung mit ihm. Heute Abend hat er die vielleicht letzte Chance, das zu ändern:

Von 20.15 bis 21.50 Uhr kann Merkel nicht weglaufen, 90 Minuten plus Nachspielzeit, und wenn sie ausweicht, dann können es alle sehen, zur besten „Tatort“-Zeit auf vier großen Programmen bliebe das niemandem verborgen.

Aber wie kann er das schaffen? Schulz dürfte nicht zu ruhig auftreten, denn diese Rolle wird Merkel für sich beanspruchen. Aber er sollte auch nicht hektisch wirken oder gar aus der Haut fahren wie Edmund Stoiber im TV-Duell 2002 gegen Gerhard Schröder. Energisch, engagiert, inhaltlich präzise vorbereitet, aber auf keinen Fall aggressiv – so könnte Schulz zumindest den Schlagabtausch im Fernsehen für sich entscheiden. Sich noch einmal anzuschauen, wie Günther seinen Rivalen Albig beim Aufeinandertreffen in der Lübecker Kulturwerft Gollan in Bedrängnis gebracht hat, wäre eine kluge Vorbereitung.

Gut 90 Minuten haben beide Zeit, Merkel und Schulz, einem von vielen als langweilig empfundenen Wahlkampf Leben einzuhauchen. Bei aller Bedeutung, die so ein Fernsehduell der beiden Kanzlerkandidaten hat: Entschieden wird erst in drei Wochen. Und dann stehen nicht nur Merkel und Schulz zur Wahl, von denen ohnehin keiner ohne andere Parteien regieren könnte. Die Gelegenheit, den dahindämmernden Genossen Trend wieder zu wecken und seiner SPD wieder Mut zu verleihen, hat Martin Schulz wahrscheinlich nur heute. Ob er sie nutzt? Am späten Abend wissen wir mehr.

Ein Kommentar von Lars Fetköter

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