Volltextsuche über das Angebot:

5 ° / 2 ° Regenschauer

Navigation:
Achtung, Lübeck: Berlin ist überall

Die Bürger wollen ordentlich regiert werden. Achtung, Lübeck: Berlin ist überall

Längst nicht alle, die AfD wählen, gehören in die Abteilung Rechtsradikalismus. Das war jüngst wieder bei der Berliner Wahl zu besichtigen.

Längst nicht alle, die AfD wählen, gehören in die Abteilung Rechtsradikalismus. Das war jüngst wieder bei der Berliner Wahl zu besichtigen.

 

LN-Bild

Von Gerd Walter

Quelle:

Die Stadt wurde eher schlecht regiert und verwaltet reichlich selbst erzeugtes Wasser für die Mühlen des Populismus. Auch wenn das in den gestanzten Wahl-Statements nicht vorkam.

Auch bei uns in Lübeck trifft man immer mehr Leute, die sich schlecht regiert fühlen. Und es kommt ja auch Einiges zusammen: Baustellenmanagement, Bürgerbüros, Possehlbrücke. Anliegerbeiträge für einen Straßenausbau, die ohne anständige Vorabaufklärung erhoben werden. Der Investor, der gerade wieder bei Gesprächen mit verschiedenen Lübecker Institutionen sein blaues Wunder erlebt hat. Manches ärgert nicht nur die Bürger, sondern schadet auch dem Ruf der Stadt.

Fast schon tragisch ist das Missverständnis um die Linden: eine Verwaltung mit der festen Überzeugung, etwas Gutes für Lübeck zu tun. Und eine Initiative, die darin vor allem Schlechtes sieht. Die einen haben die Bäume erst dann entdeckt, als die Anhörungen im wesentlichen vorbei waren. Die anderen hätten sich vielleicht denken müssen, dass der Protest spätestens mit der Säge kommt.

Die Szenerie zeigt vor allem ein tiefer gewordenes Misstrauen von Bürgern in ihre Stadtregierung. Das hört sich bei einem der Linden-Unterstützer dann so an: „Regelmäßig waren wir die Verlierer und das ist wohl auch so gewünscht.“ Gemeint sind Stadtplanung und Bürger. Und weiter: „Die Reaktionen unserer Obrigkeit auf die Linden-Proteste sind symptomatisch für unsere Stadt: Es wird gedroht, die Öffentlichkeit mit Tricks, Halb- und Unwahrheiten bearbeitet und von Teilen der Presse dankbar abgedruckt.“ Der Absender ist gewiss nicht Sachsens Pegida. Aber es klingt so. Die da oben. Wir hier unten. Und die Lügenpresse.

Spätestens hier heißt es: Aufgepasst, Lübeck. Und das ganz unabhängig von den Linden. Entscheidungen der Stadt mag man kritisieren und bekämpfen; unlautere Motive zu unterstellen ist dabei nicht in Ordnung. Vor allem aber muss die Stadt besser regiert werden, damit Vertrauen zurückkehrt. Und zwar auf allen Seiten – bevor nun wieder jeder wie in der Berliner Wahlnacht mit dem Finger auf den jeweils anderen zeigt. Politik und Verwaltung müssen verstehen, wie viel Frust und Resignation sich in unserer Stadt angestaut haben. Und wie viel guter Wille damit auch brachliegt.

Ordentlich regiert zu werden – das ist die erste Erwartung von Bürgern an ihr Gemeinwesen. Wer da nicht liefert, riskiert Berliner Verhältnisse. Und das sind nicht einmal die Linden wert. So oder so.

Gerd Walter (67) war von 1992 bis 2000 Minister für Bundes- und Europaangelegenheiten und von 1996 bis 2000 zusätzlich Justizminister des Landes Schleswig-Holstein. Von 1987 bis 1991 war Walter Landesvorsitzender der SPD.

LN

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Kommentar
Sonntagsreden

Von Börse bis Fußballplatz - Blogs unserer "Edelfedern".

Kommentar

Bissig, polemisch, kontrovers: Kommentare aus den LN.

Zurück zur Groko - Ist das eine gute Idee?

Reporter vor Ort

In einer fortlaufenden Galerie zeigen wir Ihnen jeden Tag die wichtigsten Bilder aus Lübeck und den umliegenden Kreisen. Klicken Sie hier, um die Galerie für den November 2017 zu sehen!