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Ansichten eines Clowns

Donald Trump und die neue Ruchlosigkeit in der Politik. Ansichten eines Clowns

Donald Trump war 59, als er vor elf Jahren in einem Bus saß und sich mit einem Showmoderator über Frauen unterhielt. Ein Macho und Narziss, ein Milliardär.

Donald Trump war 59, als er vor elf Jahren in einem Bus saß und sich mit einem Showmoderator über Frauen unterhielt. Ein Macho und Narziss, ein Milliardär. Einer, der es gewohnt war, etwas zu bekommen, wenn er es haben wollte. Und es spielte keine Rolle, ob das Dinge waren oder Menschen. Trump war ein Gewinner, und Gewinner bekommen alles.

Er wollte noch kein Präsident werden damals. Er war nur ein sehr reicher und sehr von sich beeindruckter Mann, der gerade zum dritten Mal geheiratet hatte und furchtbare Ansichten über Frauen besaß.

Er war einer vom Stammtisch. Er war einer von vermutlich vielen.

Jetzt aber will er Präsident werden. Und man muss den begründeten Verdacht haben, dass sich an seinen Ansichten nichts geändert hat. Und dass das so ist, liegt nicht am Beobachter, sondern am Kandidaten selbst. Er hat die Beweise immer wieder und mit Wonne offengelegt.

Präsidentschaftswahlkämpfe sind keine Seminardiskussionen, schon gar nicht in den USA. Es geht dort schweflig zu. Es wird mit allen erlaubten und oft genug auch unerlaubten Mitteln gekämpft. Und wenn jetzt ein elf Jahre altes Video auftaucht, kurz vor der zweiten Fernsehdebatte, dann dürfte auch das kein Zufall sein. Aber diese gut drei Minuten werfen ein grelles Licht auf diesen unglaublichen Kandidaten, der schon weiter gekommen ist, als man es je für möglich gehalten hätte. Und der nicht den Einbruch des gesunden Menschenverstandes in die große Politik bedeutet, sondern eine neue Qualität der Ruchlosigkeit.

Vielleicht steuerte es all die Jahre auf solche Kandidaten zu. Wenn Politik zur großen Show gerät, wenn komplexe Fragen hinter solchen der Frisur und der Kleidung verschwinden, muss man sich nicht wundern, wenn eines Tages die wirren Clowns in den Ämtern sitzen. Die USA stehen gerade vor einem neuen Kalten Krieg, in Syrien versagen längst alle Maßstäbe, es gäbe wahrlich genug zu tun für die letzte verbliebene Weltmacht – aber die Kandidaten streiten im TV-Duell vor fast 100 Millionen Zuschauern um Fragen der Steuererklärung.

Ist das der Zustand des Landes? Spiegelt das die Kraft der Demokratie, wonach aus dem Widerstreit der Meinungen die Funken schlagen sollen? Sind es die Erwartungen der Zuschauer, die bedienen muss, wer ganz nach oben will? Oder geht es Trump tatsächlich nur um Aufmerksamkeit, um die Feier der eigenen Großartigkeit auf der größten Bühne, die die Welt mit dem Weißen Haus zu bieten hat?

Sollte er noch im Amt verhindert werden können, hätte er jedenfalls schon jetzt ein Trümmerfeld hinterlassen, nicht nur in der republikanischen Partei. Es gibt viel zu heilen in der amerikanischen Gesellschaft nach dem 8. November. Und es ist leider sehr die Frage, ob eine Präsidentin namens Hillary Clinton dafür die richtige Besetzung sein kann.

LN

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