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Auf Schröders Spuren

Tsipras kann sein Land retten und seine Partei verlieren. Auf Schröders Spuren

Es stehen harte Entscheidungen an, die das Land wirtschaftlich wieder auf Kurs bringen sollen. Der linke Flügel seiner Fraktion setzt dem Regierungschef enorm zu.

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Von Lars Fetköter

Es stehen harte Entscheidungen an, die das Land wirtschaftlich wieder auf Kurs bringen sollen. Der linke Flügel seiner Fraktion setzt dem Regierungschef enorm zu. Und trotzdem setzt er auf das, was er für das Land für unerlässlich hält — und riskiert, erst die Liebe seiner Partei und dann die Macht zu verlieren. Die Lage, in der sich Alexis Tsipras befindet, hat erstaunliche Parallelen zur Situation von Bundeskanzler Gerhard Schröder im Frühjahr 2005.

Wird der griechische Ministerpräsident das Kunststück schaffen, schmerzhafte Reformen durchzusetzen, das europäische Sorgenland zu sanieren und es im Euro zu halten? Kann Tsipras den Rückhalt, den sein Reformpaket im Athener Parlament auch von der Opposition erfährt, auch künftig nutzen? Stellen wir uns doch mal vor, dass er eine Regierung der nationalen Einheit hinter sich versammelt, die mit dem Klientel-Gekungel der Vergangenheit bricht, aber auch der Anti-EU-Guerilla seiner Syriza- Partei abschwört. Wenn Tsipras und seine loyalen Mitstreiter pragmatisch genug und die konservative Nea Dimokratia und die sozialdemokratische Pasok nicht zu eitel und machtgierig sind, könnte das sogar gelingen.

Es ist ein Ritt auf der Rasierklinge, ähnlich dem von Hasardeur Schröder nach der Verkündung seiner Agenda 2010. Der Kanzler hat damals die Macht verloren: Zähneknirschend und ohne rechten Glauben hat die SPD seine Reform gebilligt, die Wähler, die er per Vertrauensfrage um Rückenwind ersuchte, haben ihn knapp abgewählt. Aber heute hält sich Schröder zugute, damals eben die Macht riskiert und verloren, aber Deutschland wirtschaftlich auf den erfolgreichen Weg gebracht zu haben, um den es die Nachbarn beneiden. Viele seiner Parteifreunde geben das nur verschämt zu.

Tsipras wurde nicht wie damals Schröder von eigener Erkenntnis getrieben, sondern von der Euro-Gruppe zu Reformen gezwungen. Inzwischen kämpft der 41-Jährige für Rente mit 67 und höhere Mehrwertsteuer — bitter nötige Schritte, die er vor seinem triumphalen Wahlsieg noch verdammt hatte. Ob sein schwerer Weg Erfolg haben wird, hängt davon ab, ob er dem gebeutelten griechischen Volk diesen Schwenk zu erklären vermag. Wenn er das glaubwürdig vermittelt, kann Alexis Tsipras auch Neuwahlen überstehen und, anders als Gerhard Schröder, die Zeit nach seiner Weichenstellung gestalten.

Seine Partei wird in jedem Fall eine andere sein.

LN

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