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Autonomes Fahren geht alle an

Der tödliche Unfall mit einem Tesla-Auto wirft viele Fragen auf. Autonomes Fahren geht alle an

Tesla-Chef Elon Musk spricht nicht gern über Risiken. Lieber erzählt der Gründer des kalifornischen Autoherstellers Tesla davon, mit seinen teilautonom fahrenden ...

Tesla-Chef Elon Musk spricht nicht gern über Risiken. Lieber erzählt der Gründer des kalifornischen Autoherstellers Tesla davon, mit seinen teilautonom fahrenden Elektrosportwagen die ganze Welt zu verbessern. Der schillernde Silicon-Valley-Investor malt dann ein opulentes Bild von einer Zukunft, in der Autos nicht mehr stinkende, rasende Störenfriede sind, sondern emissionslose und schnittige Mobilitäts-Devices, die per Autopilot durch den Verkehr schlängeln – während die Insassen sich um Wichtigeres kümmern. Ein Traum, wie gemacht für die Silicon-Valley-Visionäre, deren Ziel es ist, Technologie zu entwickeln, die alles Bestehende vom Markt verdrängt.

 

LN-Bild

Von Dirk Schmaler

Das Rennen um die Marktreife ist längst im vollen Gange – der erste tödliche Unfall mit einem Tesla-Autopiloten in Florida wird daran wenig ändern. Auch in Deutschland werden immer mehr Autobahnen zu Versuchsanordnungen für Tests zum autonomen Fahren. Tesla, aber auch Mercedes, BMW, Volvo und Audi liefern sich eine regelrechte Schlacht um immer ausgefeiltere Fahrassistenten, die den Fahrern das Bremsen, die Spur halten und das Überholen abnehmen. Bis 2020 wollen die Hersteller das komplett autonom fahrende Auto zur Serienreife gebracht haben. Bis dahin setzen sie auf einen schleichenden Übergang – auch auf Rücksicht auf die Skepsis ihrer Kunden. Die ungeklärte Frage ist: Wollen wir das überhaupt?

Die Hersteller werben mit mehr Sicherheit und mehr Zeit während der Fahrt. Aber dem Straßenverkehr kann sich niemand entziehen. Es darf deshalb nicht länger der Entscheidung der Autokäufer und den Marketingetats der Hersteller überlassen bleiben, zu definieren, wann und ob computergesteuerte Maschinen durch unsere Städte fahren. Diese Frage muss dringend politisch, rechtlich und gesellschaftlich diskutiert werden.

Die neue Technik führt in den Grenzbereich ethischer Fragestellungen. So könnte es sein, dass ein Algorithmus in einer Ausnahmesituation entscheiden muss, ob das selbst fahrende Auto lieber einen kleinen Jungen oder einen Rentner überfährt. Wer das programmiert, macht sich mitschuldig am Tod eines Menschen. Oder gibt es gar einen Punkt, ab dem der ständig dazulernende Computer selbst schuld ist? Solange auf derartig schwierige Fragen niemand eine mit geltendem Recht vereinbare Antwort hat, ist es besser für alle, die Hand am Steuer zu lassen.

Die Autobranche setzt auf die Strategie von Google, Facebook und Co.: Nicht fragen, einfach machen. Mit dieser Mentalität setzen sich die Hightech-Firmen seit Jahren über Hunderte bestehende Urheberrechts- und Datenschutzregeln auf der Welt hinweg. Aus dieser Wildwestmethode aus dem Silicon Valley sollten alle gelernt haben. Zumal es beim autonomen Fahren nicht (nur) um Datenschutz geht.

Es geht im Ernstfall um Leben und Tod.

LN

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