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Bafög für die Hochschulen

Investition in die Bildung von morgen: Der Pakt ist bitter nötig. Bafög für die Hochschulen

Es ist knapp sechs Jahre her, da erlebten die Politiker in Schleswig-Holstein eine eindrucksvolle Lehrstunde.

Es ist knapp sechs Jahre her, da erlebten die Politiker in Schleswig-Holstein eine eindrucksvolle Lehrstunde. Um den bedenklich ins Minus gesunkenen Landeshaushalt strukturell und dauerhaft zu sanieren, legte die CDU-FDP-Koalition ein ambitioniertes Sparprogramm auf — und die Axt an die Lübecker Uni. Die Hochschulmedizin in der Hansestadt sollte geopfert werden. Bevölkerung, Universität, Wirtschaft und Lokalpolitik setzten sich in einem beispiellosen Schulterschluss zur Wehr. Mit Erfolg. Die gelben T-Shirts mit dem Slogan „Lübeck kämpft für seine Uni“ sind noch in frischer Erinnerung. Die Lehre von damals geht weit über lokalpatriotische Willensbildung hinaus: Sparen an der Bildung von morgen stranguliert die eigenen Zukunftschancen.

 

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Von Lars Fetköter

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Schleswig-Holsteins Politiker haben dazugelernt. Alle Parteien wissen, dass Investitionen in die Hochschulausbildung im Norden eine Menge Geld kosten, dass sie aber auch bitter nötig sind, um die Zukunft der Unis in der südlastigen deutschen Hochschullandschaft zu sichern. Nur eine Region, die durch kluge Investitionen ihre Bildungschancen verbessert, kann sich fitmachen für die Herausforderungen der kommenden Jahrzehnte. Der Pakt, den die Universitäten und die Landesregierung gestern unterzeichnet haben, trägt dem Rechnung. Die Finanzausstattung der Hochschulen in Lübeck, Kiel und Flensburg wird spürbar erhöht. Vor allem wird sie verlässlich. Gut so.

Die von Bund und Land in den nächsten Jahren zugesagten Mittel sind eine Art Bafög für die Hochschulen im Norden. Sie schaffen mehr Chancengleichheit. Sie sichern einen hohen Bildungsstand auch dort, wo die Wirtschaftsstrukturen nicht ohnehin vor Kraft strotzen. Das ist bitter nötig.

Ohne die jetzt beschlossenen Weichenstellungen wären Schleswig-Holsteins Hochschulen im kommenden Winter womöglich in die Knie gegangen. Wegen des Turbo-Abiturs verlassen im Sommer zwei komplette Jahrgänge die Gymnasien, 19000 Abiturienten drängen auf eine gute Ausgangsposition im Kampf um die Jobs der Zukunft. Die wenigsten werden scharf sein auf einen Stehplatz im überfüllten Hörsaal.

Der Pakt für die Hochschulen kommt allerdings denkbar spät. Die Umstellung auf das Abitur in acht Jahren wurde 2005 beschlossen, spätestens seit 2008 ist absehbar, dass im Sommer 2016 ein Doppeljahrgang die Gymnasien mit Hochschulreife verlässt. Erst ein Vierteljahr davor wird nun den Hochschulen ermöglicht, ihre Infrastruktur darauf einzurichten. Das zeigt: Bildungsinvestitionen sind immer noch viel zu stark davon bedroht, in der Tagespolitik zerredet und zerrieben zu werden. Hier braucht es endlich einen längeren Atem.

LN

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