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Bei der Berlinale zählen auch die kleinen Filme

Kommentar Bei der Berlinale zählen auch die kleinen Filme

Wer behauptet bloß, dass Kino ein Auslaufmodell ist? Einnahmerekorde werden sowohl diesseits als auch jenseits des Atlantiks gemeldet. Wohltuend hebt sich die Berlinale davon ab, bei der auch kleinere

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Ein Kommentar von Stefan Stosch.

Dank Sternenkriegern, Dinosauriern und Chaos-Lehrern feiern amerikanische und deutsche Kinobetreiber Milliardenumsätze — trotz Netflix und Co. Überlängen-Zuschläge und 3-D-Aufpreise spielen dabei nur eine Nebenrolle.

Ganz kann da die gestern begonnene Berlinale zwar nicht mithalten, doch dürften die allermeisten Vorstellungen wieder ausverkauft sein — egal ob im funkelnden Berlinale-Palast am Potsdamer Platz oder im heimeligen Kiez-Kino. Eineinhalb Wochen lang verfallen Berliner Festivalgänger in einen Filmrausch.

Doch gibt es einen kleinen, feinen Unterschied zwischen Hollywood und Berlin: Die Sehgewohnheiten sind doch sehr verschieden, die Filme könnten kaum unterschiedlicher sein. Die Kinoindustrie, zumal in den USA, setzt mehr denn je aufs Bombastische. Für die Rekordumsätze sorgen kaum mehr als eine Handvoll Filme. Fabel- und Fantasywesen tummeln sich auf den Leinwänden, Filme mit Nummern im Titel wie „Star Wars 7“ oder „Jurassic World 4“ beherrschen das Feld. Hollywood produziert Fortsetzungen am laufenden Band.

In Deutschland läuft das Geschäft in dieselbe Richtung: „Fuck Ju Göhte 2“ lässt Produzentenaugen leuchten. Jede Wette, dass bald der dritte Teil des Pennäler-Klamauks in die Kino-Pipeline geschoben wird. Wir sind schließlich auch schon bei „Bibi & Tina 3“. Was fehlt, sind dagegen international konkurrenzfähige deutsche Filme. Nur einer hat es in den Berlinale-Wettbewerb geschafft, ausgerechnet eine Produktion des „Kleinen Fernsehspiels“ im ZDF. Da kann man nur hoffen, dass die Begeisterung für Filmgeschöpfe vom Fließband nicht irgendwann erlahmt. Kinohelden in Serie bilden das Großaufgebot gegen die Serienhelden, mit denen Streamingdienste den visuellen Markt aufrollen. Die Konzentration auf wenige Blockbuster führt dazu, dass sich hinter der PR-Maschinerie eine riesige Lücke auftut.

Kleinere Filme werden im Marketingdonner kaum wahrgenommen. Und da kommt die Berlinale ins Spiel.

Das Festival öffnet dem Kino der Welt die Türen. Es laufen genauso Werke aus Tunesien wie aus China, aus Frankreich, Deutschland oder auch von unabhängigen Filmemachern aus den USA. Oftmals erzählen die Filme von einer brutalen Wirklichkeit. Was das Spektakel-Kino nicht leistet, übernehmen sorgfältig kuratierte Festivals: Sie schüren die Neugier auf Originelles, Unerwartetes, Ausgefallenes. Im Vorjahr gewann ein Werk aus dem Iran den Goldenen Bären, das uns das gerade wieder in den Fokus der Weltgemeinschaft gerückte Land näherbringt. Ohne die Berlinale hätten wir von Jafar Panahis lebenskluger Komödie „Taxi“ womöglich nie erfahren. Das wäre schade gewesen.

Ein Kommentar von Stefan Stosch

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