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Berlin ist auf der Suche nach starken Politikern

Kommentar zur Wahl am Sonntag Berlin ist auf der Suche nach starken Politikern

Am Sonntag ist Abgeordnetenhauswahl in Berlin - und die Wähler der Mitte sind ratlos wie nie: Wo sind die Figuren mit Strahlkraft? Der Vergleich von Michael Müller mit einem Willy Brandt, auch der Vergleich von Frank Henkel mit einem Richard von Weizsäcker fällt makaber aus, findet unser Autor.

Der Senator für Inneres und Sport, Frank Henkel (l, CDU) und Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD) nehmen am 09.06.2016 an einer Sitzung im Abgeordnetenhaus in Berlin teil. Das Berliner Abgeordnetenhaus wählt am 18. September einen neuen Senat.

Quelle: Sophia Kembowski/dpa

"Völker der Welt“, rief Berlins Bürgermeister Ernst Reuter 1948 in einer berühmt gewordenen Rede. „Schaut auf diese Stadt.“ Deren Teilung in Ost und West schuf damals eine widernatürliche, weltweit einmalige Situation – und der Bürgermeister gewann, ganz unfreiwillig, globale Prominenz. 1950 sah man Reuter auf dem Titel des US-Magazins „Time“, im Hintergrund das Brandenburger Tor.

 

LN-Bild

Von Matthias Koch

Quelle:

„Regierender“ in Berlin: Jahrzehntelang ein Job im Rampenlicht der ganzen Welt. Entsprechend war das Kaliber des Personals, das die großen Parteien in Stellung brachten. Der Sozialdemokrat Willy Brandt winkte an der Seite John F. Kennedys aus dem Auto. Der Christdemokrat Richard von Weizsäcker bekam problemlos einen Termin bei Ronald Reagan im Weißen Haus.

Und heute? Man wünscht sich nicht, dass die Völker der Welt allzu genau auf diese Stadt schauen, jedenfalls nicht auf ihre Verwaltung. Allzu lange wurden Berlins Probleme mit dem juxigen Hinweis relativiert, die Stadt sei „arm, aber sexy“ (Klaus Wowereit). Inzwischen ist Schluss mit lustig. Es schmunzelt niemand mehr über das fortdauernde Verwaltungsversagen, etwa im legendären Lageso, auch nicht über die Endlos-Blamage beim Flughafenbau.

Heute ist der Name des Berliner „Regierenden“ den meisten Deutschen und sogar vielen Berlinern unbekannt. Zum Teil liegt darin ein Stück Normalisierung. Die unnormale Anspannung ist raus aus dem Job.

Berlin ist zum Glück keine Frontstadt mehr, in der im schlimmsten Fall durch Missverständnisse an irgendeinem Checkpoint ein Krieg ausgelöst werden könnte.

Dennoch müssen sich Deutschlands Parteien dringend mehr Mühe geben mit Berlin. Die Stadt wird seit Langem weit unter ihren Möglichkeiten regiert, verwaltet und politisch geführt.

Vor der Abgeordnetenhauswahl an diesem Sonntag zeigen sich Wähler der Mitte ratlos wie nie: Wo ist heute die Figur, die in dieser Stadt Menschen zusammenführen und vorwärts bringen kann? Man tritt den beiden großen Parteien nicht zu nahe, wenn man festhält: Der Vergleich von Michael Müller mit einem Willy Brandt, auch der Vergleich von Frank Henkel mit einem Richard von Weizsäcker fällt makaber aus.

Allzu oft enden die Debatten in diesen Tagen mit dem bloßen Hinweis auf das Erstarken der politischen Ränder. Allzu wenig ist die Rede von der Relativität aller Dinge – und von der haarsträubenden Schwäche, die Deutschlands Mitte sich leistet, sogar in einer so wichtigen Stadt wie Berlin.

Die Berliner winken ab, wenn man sie auf die Politik in ihrer Stadt anspricht, mit einer neuen Düsternis in ihrem Blick. Demoskopen sagen inzwischen deutliche Zugewinne für die ganz Rechten und die ganz Linken voraus. Voraussagen lässt sich auch die Reaktion aus Bayern: Schuld an allem ist wie immer Angela Merkels Flüchtlingspolitik.

Ein Kommentar von Matthias Koch

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