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Das Drama der Hillary Clinton: Sie verspielt ihren Vorsprung

Kommentar Das Drama der Hillary Clinton: Sie verspielt ihren Vorsprung

Leise Schockwellen ziehen durch Amerika, die Aktienmärkte werden nervös: Könnte es etwa sein, dass Hillary Clinton die US-Wahlen nicht gewinnt?

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Ein Kommentar von Stefan Koch

Leise Schockwellen ziehen durch Amerika, die Aktienmärkte werden nervös: Könnte es etwa sein, dass Hillary Clinton die US-Wahlen nicht gewinnt? Das anfangs Undenkbare muss zumindest in Erwägung gezogen werden.Oberflächlich betrachtet geht es nur um eine kurze Auszeit, die sich die Präsidentschaftskandidatin gönnt, um eine Lungenentzündung auszukurieren. Eine Reise an die Westküste wurde abgesagt, danach soll es mit voller Kraft weitergehen. Doch das Rätselraten über Clintons Gesundheitszustand erscheint vielen Amerikanern als unendliche Geschichte: Sie erinnern sich an Geheimniskrämereien um frühere Ausfälle und fragen sich nun erst recht, warum sie keine seriösen Unterlagen zu ihrer körperlichen Verfassung vorlegt.

Der Befund einer Lungenentzündung existierte bereits am Freitag, doch noch am Sonntag hüllte sich Clintons Wahlkampfteam den größten Teil des Tages in Schweigen. Selbst wohlmeinende Begleiter blieben bei der Gedenkfeier zum 11. September 2001 in New York ratlos zurück, als die Kandidatin die Veranstaltung abrupt verließ. Es geht weniger um eine Frage der Gesundheit als um eine Frage der Redlichkeit: Warum kann die 68-Jährige nicht selbstverständlich damit umgehen, sich in einem kräftezehrenden Wahlkampfmarathon eine kurze Erholungspause gönnen zu müssen?

Eine Kluft tut sich auf zwischen dem Sein und dem Schein von Hillary Clinton. Und genau da liegt das Drama ihres Wahlkampfs: Einmal mehr nährt Clinton jetzt den Eindruck, dass zwischen ihrer öffentlichen Präsentation und den Tatsächlichkeiten Welten liegen könnten.

Ihr Umgang mit der eigenen physischen Schwäche war nicht klug. Und auch ihr Umgang mit der von ihr vermuteten intellektuellen Schwäche der Trump-Anhänger wird ihr schaden. Dass Clinton einen Teil des anderen Lagers als „klägliche“ Figuren abqualifizierte, nehmen ihr nicht nur Anhänger der Republikaner übel. Auch die eigenen Leute fragen sich, ob die Multimillionärin und frühere New Yorker Senatorin genügend Empathie für die einfachen Bürger mitbringt.

Den Job im Weißen Haus könnte sie, das ist keine Frage, sehr viel besser als der unerfahrene Donald Trump. Als frühere Außenministerin kennt Clinton die Welt, als frühere First Lady kennt sie sogar das gelegentliche Gefühl des Alleingelassenseins mit der Verantwortung im Oval Office. Barack Obama hielt jüngst fest, er könne sich nicht an jemanden erinnern, der als Kandidat schon so viel mitbrachte für das, was man im höchsten Staatsamt der USA braucht.

Umso bedrückender ist es für die US-Demokraten, dass nun der Vorsprung ihrer Kandidatin dahinschmilzt. Nicht die Stärke des Kandidaten Trump ist es, die die Dinge ins Drehen bringt. Es sind die eigenen Ungeschicklichkeiten der Kandidatin Clinton.

Ein Kommentar von Stefan Koch

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