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LEITARTIKEL Das bequeme Austeilen nach allen Seiten

Sachsen ist ein altes sozialdemokratisches Stammland. Dort hat die SPD ihre Wurzeln, dort hat sie verlässlich gute Ergebnisse eingefahren. Die SPD in Sachsen, das war eine feste Burg.

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Von Peter Intelmann

Sachsen ist ein altes sozialdemokratisches Stammland. Dort hat die SPD ihre Wurzeln, dort hat sie verlässlich gute Ergebnisse eingefahren. Die SPD in Sachsen, das war eine feste Burg.

„Was soll das, die AfD zu wählen,

aber gar nicht zu wissen, warum?

Für den Brexit zu stimmen,

aber tags darauf erst mal zu googeln, was die EU überhaupt ist?

Aber das ist viele Jahrzehnte her. Bei keiner Landtagswahl seit der Wiedervereinigung hat sie es über 20 Prozent geschafft. 2004 gar blieb sie einstellig. Und jetzt, bei der Bundestagswahl, wurde sie mit gut zehn Prozent viertstärkste Kraft im Land. Die SPD in Sachsen, das ist eine lang anhaltende Tragödie. Stattdessen macht sich Zorn breit im Freistaat. Und dessen Früchte erntet die AfD. Und eben nicht nur dort.

Der deutsche Osten funktioniert anders als der deutsche Westen, immer noch, auch nach einer gemeinsamen Generation. Man hatte das anders erhofft, vielleicht auch anders erwartet, aber die Wirklichkeit mag sich nicht danach richten. Das hat Gründe, und im Kern sind es die gleichen, die man überall in Europa findet, wo Gesellschaften auseinanderdriften: die Ökonomie, die Angst vor dem Fremden, die Angst vor dem Neuen, die Verunsicherung.

Vieles davon ist bitter wahr. Wenn Biografien zerbrechen, weil die Zeiten sich ändern, dann werden hohe Preise gezahlt. Dann formiert sich eine Abkehr von Staat und Politik, die in Resignation endet oder in Extremismus. Das ist gefährlich, aber zu erklären. Was sich inzwischen jedoch immer stärker beobachten lässt, das ist die Formierung einer Abkehr, deren Gründe man nur schwer greifen kann.

Da hat sich eine Stimmung breit gemacht, vor allem im Osten, aber auch im Westen, in der sich eine diffuse Unzufriedenheit einzurichten versteht. Da hat sich etwas verselbständigt, ein dunkles Murmeln, ein Unbehagen in der Kultur, das bei allen Hürden des Alltags auf andere zeigt. Das hat nichts mit Arbeitslosigkeit oder zu wenig Geld zu tun, das ist vielmehr ein bequemes Austeilen nach allen Seiten, ein Protest aus einer stabilen Mittellage heraus, der, wenn man ihn auf Stichhaltigkeit überprüft, schnell in sich zusammenfällt.

Was soll das, die AfD zu wählen, aber gar nicht zu wissen, warum? Für den Brexit zu stimmen, aber tags darauf erst mal zu googeln, was die EU überhaupt ist? Und was ist zu halten von den Forderungen nach mehr direkter Demokratie? Will man noch mehr Wahlbeteiligungen um die 25 Prozent? Es ist ja nicht so, dass die Rathäuser bei Gemeinderatssitzungen wegen Überfüllung geschlossen werden müssten.

Nein, das Einreihen in diesen zwielichtigen, muffeligen Protest ist eine bequeme Entbindung von eigener Verantwortlichkeit, ein Desinteresse und eine Konsumerwartung Staat und Politik gegenüber, die sich hinter vermeintlicher Enttäuschung verbirgt. Das ist Falschmünzerei, aber keine Haltung.

LN

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