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Der Stimmen-Skandal zeigt: Die CDU verliert den Blick fürs Ganze

Kommentar Der Stimmen-Skandal zeigt: Die CDU verliert den Blick fürs Ganze

Der Direktkandidat im Wahlkreis Dithmarschen/Schleswig musste die Kandidatur zurückgeben, nachdem bekannt wurde, dass er nur für seine Wahl Kurzfrist-Mitglieder angeheuert hat, die nicht mal Beitrag zahlen. Chaostage in der Nord-CDU. Das ist zu wenig, um ein Land regieren  zu können, meint unser Redakteur Wolfram Hammer.

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Von Wolfram Hammer

Ein Unterstützer seiner Mitbewerberin hat gleich ein ganzes Fußballteam anheuern wollen, das er sponsort. Die Wellen schlugen hoch. Zu Recht. Die Menschen wollen keine gekaufte Demokratie.

Der Imageschaden für die Union ein Jahr vor der Landtagswahl 2017 ist enorm. Und das ebenso zu Recht. Die Partei war immer stolz, dass ihre Basis in den Kreisverbänden mächtig ist, viel mitreden darf, sich auch bei der Kandidatensuche nicht von Kiel reinreden lässt. Wenn dann aber Mitglieder und Lokal-Funktionäre auch im Jahr 2016 noch nicht in der Lage sind, Frauen bei den Kandidaturen angemessen zu berücksichtigen, Städter oder junge Leute. Wenn sie Taschenspieler zu Kandidaten küren, deren Tricks erst die Presse aufdecken und thematisieren muss, bis sie zurücktreten, dann ist diese Basis offenbar nicht mehr reif für soviel Machtfülle.

Die Nord-CDU jedenfalls scheint in weiten Teilen eine Ansammlung von lokalen Egoismen und überbordenem Selbstbewusstsein geworden zu sein, man könnte auch sagen: von Selbstüberschätzung.

Der Blick fürs Ganze, fürs Landesinteresse, ist verloren gegangen. Das ist dann noch genug für eine Mehrheit im Gemeinderat. Um ein Land regieren zu können, ist es zu wenig. Und als ahnte die Partei das, hat sie mit Ingbert Liebing einen Parteichef und Spitzenkandidaten erkoren, der wenig Aussichten hat, die Wahl zu gewinnen. Auch in dieser Affäre blieb Liebing wieder blass, wollte keinem Provinzfürsten weh tun. Dass zupackendes Handeln eine Chance gewesen wäre, bei den Bürgern Profil zu gewinnen, hat er wahrscheinlich nicht einmal gesehen. Dabei wäre die Wahl für die Union gewinnbar.

Die SPD-geführte Regierung Albig agiert im fünften Jahr immer lust- und ideenloser, managt die Flüchtlings-Herausforderung zwar ordentlich, fährt mangels Sparwillen dabei aber den Haushalt an die Wand und verstolpert zum Beispiel den A20-Weiterbau, weil sich die eitlen Minister Habeck und Meyer über den Umgang mit einem verlassenen Seeadlerhorst nicht einigen können.

Doch anstatt einen Gegenentwurf dazu zu präsentieren, schickt die Union mit Liebing einen ins Rennen, der genau so ein Polit-Prediger ist wie Albig, nur schlechter. Es soll wohl das Schicksal Schleswig-Holsteins sein, dass politische Kämpfer hier nicht mehr zum Zuge kommen, Herzblut-Politiker mit Ideen und Gestaltungswillen. Mit Daniel Günther muss in der CDU einer in Reihe zwei sitzen, bei der SPD lässt man Ralf Stegner nie ganz nach vorne kommen. Angeblich, weil die Wähler sie nicht mögen würden. Vielleicht aber auch nur, weil ihren Parteien der Mut dazu fehlt.

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