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Die AfD im Sinkflug

Die Rechtspopulisten verlieren jeden Anspruch auf Seriosität. Die AfD im Sinkflug

Seriosität ist das Parfum von Populisten, mit dem sie Wähler anlocken. Radikale Parteien müssen wenigstens den Anschein von Mäßigung versprühen, wenn sie dauerhaft Zuspruch erfahren wollen.

Seriosität ist das Parfum von Populisten, mit dem sie Wähler anlocken. Radikale Parteien müssen wenigstens den Anschein von Mäßigung versprühen, wenn sie dauerhaft Zuspruch erfahren wollen. Genau deshalb ist die Französin Marine le Pen so viel erfolgreicher, als es ihr Vater Jean-Marie jemals war.

 

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Von Jörg Köpke

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Auch die Alternative für Deutschland (AfD) hatte dieses Rezept eigentlich verinnerlicht. Parteiführer wie Alexander Gauland und Jörg Meuthen schienen aus den Gründungsfehlern diverser rechter Parteien gelernt zu haben – bis ihnen zweistellige Ergebnisse bei Landtagswahlen offenbar die Sinne vernebelten. Die Aussicht auf Macht, Prestige und Posten, die sich auf hohe Umfragewerte stützt, hat die AfD zu dem gemacht, was sie eigentlich nie sein wollte: zu einer Partei, die in der Normalität der deutschen Parteienlandschaft angekommen ist. Flügel- und Diadochenkämpfe zählen zu ihrem Alltag – und Intrigen gegen Parteichefin Frauke Petry.

Genährt und unterfüttert wird der Eindruck von inszenierten und abstrusen Tabubrüchen. Dabei driftet die Partei immer weiter nach rechts ab. Sie verkommt unter dem Deckmantel von Meinungsfreiheit zum Gemischtwarenladen für Geschmacklosigkeiten und Grenzüberschreitungen.

Die Unfähigkeit, sich wie im Fall des baden-württembergischen Landtagsabgeordneten Wolfgang Gedeon von Antisemitismus abzugrenzen, ist nur ein Beispiel von vielen. So will Frauke Petry Flüchtlinge notfalls mit Waffengewalt vom Grenzübertritt abhalten. Die EU-Abgeordnete Beatrix von Storch wünscht sich Kanzlerin Angela Merkel ins Exil nach Chile und zahlt keine Rundfunkgebühren. Das neue Parteiprogramm manifestiert einen Anti-Islam- Kurs, der das Grundrecht auf Religionsfreiheit ignoriert. Und der als eher gemäßigt geltende Ko-Vorsitzende Jörg Meuthen ätzt gegen das „links-rot-grün versiffte 68er-Deutschland“.

Die AfD manövriert sich zunehmend in eine klassische Zwickmühle. Soll die Droge des Tabubruchs weiter öffentlich wirken, muss sie deren Dosis kontinuierlich erhöhen. Parteivize Alexander Gauland trieb es auf die Spitze, als er Fußballnationalspieler Jerome Boateng wegen dessen afrikanischer Abstammung beleidigte und ihn kurzerhand zum unerwünschten Nachbarn erklärte. Was als bewusste Provokation gedacht war, endete als rassistisches Eigentor. Längst ist der „gute Nachbar Boateng“ zum geflügelten Wort und damit zum Inbegriff für Integration geworden.

Der AfD gehen die Themen aus, mit denen sie noch provozieren könnte. Der Sinkflug der Rechtspopulisten hat begonnen – nicht nur bei den Demoskopen. In der jüngsten Forsa-Umfrage kommt die AfD noch auf elf Prozent. Die Partei wirkt älter und verkrusteter, als es die von ihr verspotteten „Altparteien“ jemals waren. Sie hat ihre Zukunft hinter sich.

LN

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