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Die Bahn kommt zu spät

In sechs Jahren unter Konzernchef Grube ist vieles liegen geblieben. Die Bahn kommt zu spät

Bilanzen wie die der Deutschen Bahn legen neue Chefs gern vor: Da wird ein hoher Verlust in Kauf genommen, um das Unternehmen von Altlasten zu befreien und den finanziellen ...

Bilanzen wie die der Deutschen Bahn legen neue Chefs gern vor: Da wird ein hoher Verlust in Kauf genommen, um das Unternehmen von Altlasten zu befreien und den finanziellen Spielraum für eine Umstrukturierung zu schaffen. Die Verantwortung trägt im Zweifel der Vorgänger. Bahn-Chef Rüdiger Grube hat die Dimension des Milliardenverlusts nicht gescheut, am Projekt „Zukunft Bahn“ wird bereits gearbeitet. Das Dumme ist nur: Grube ist nicht neu. Er führt den Konzern seit sechs Jahren und rechnete noch im vergangenen Sommer mit Gewinn. Eine Bilanz wie diese hätte Grube besser für 2010 geliefert. Da übernahm er einen Konzern, den Vorgänger Hartmut Mehdorn jahrelang auf die Börse vorbereitet und — wie Kritiker damals schon monierten — ausgezehrt hatte.

 

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Von Stefan Winter

Unter den vielen Problemen, die Grube jetzt zu dem drastischen Schritt veranlassten, kam nur eins einigermaßen überraschend: Den schnellen Boom der konkurrierenden Fernbusse musste man so nicht unbedingt voraussehen. Alles andere aber ist über Jahre gewachsen. Da gibt es die sattsam bekannten technischen Probleme, die von der Mikrowelle in der Bistro-Küche bis zum Schloss der Toilettentür in fast jedem Fernzug irgendetwas außer Betrieb setzen. Und da gibt es das allgegenwärtige Problem mit der Pünktlichkeit, das Bahnreisen zur Nervenprobe machen kann. Auf absehbare Verspätungen wird jetzt schon vor dem ersten Frosttag hingewiesen — eine zweifelhaft Art von Fortschritt. Zu kämpfen hat die Bahn auch mit personeller Unterbesetzung, die zum Beispiel 2013 das Mainzer Stellwerk lahmlegte. Dass die meisten Mitarbeiter im Service ihren Job trotz dieser Bedingungen heute sehr viel freundlicher machen als vor Jahren, gehört immerhin zu den Erfolgen der Grube-Jahre.

Doch sonst ist allzu viel liegengeblieben in den sechs Jahren. So geriet die Gütersparte in Zeiten steigenden Transportbedarfs und einer blühenden Logistikbranche zum Sanierungsfall. Auch der Beweis, dass ein Preissystem verständlich sein kann, steht noch aus. Und mancher Zukauf, für den in ehrgeizigeren Phasen die Schulden erhöht wurden, soll bald wieder zu Geld gemacht werden. Hinzu kommt das politische Gleisgewirr, auf dem die Bahn unterwegs ist. Der Konzern müsse „investieren, modernisieren, digitalisieren“, trug Verkehrsminister Alexander Dobrindt gestern bei. Als es dafür einst an der Zeit gewesen wäre, musste Grube jedoch vor allem die erste Dividende der Bahn-Geschichte nach Berlin überweisen.

So ist die Bilanz vor allem ein Zeugnis des Scheiterns. Nun soll alles gleichzeitig passieren: Zugflotte modernisieren, Pünktlichkeit verbessern, Personalausstattung sichern und mit günstigen Preisen in den Kampf gegen Billigflieger und Fernbusse ziehen. Nichts davon ist falsch. Und alles hätte vor Jahren passieren können.

LN

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