Volltextsuche über das Angebot:

15 ° / 11 ° Regenschauer

Navigation:
Die Gewinnerin heißt Merkel

Die Machtfrage in der CDU ist geklärt. Vorerst. Die Gewinnerin heißt Merkel

Sie hat es geschafft. Neun Minuten Ovationen im Stehen. Das müde Gesicht der Bundeskanzlerin verrät in diesen Minuten, wie groß die Anspannung gewesen sein muss.

Voriger Artikel
Klingelnde Kassen
Nächster Artikel
Die Macht ist mit uns

Von Ulrike Demmer

Sie hat es geschafft. Neun Minuten Ovationen im Stehen. Das müde Gesicht der Bundeskanzlerin verrät in diesen Minuten, wie groß die Anspannung gewesen sein muss. Angela Merkel ist gerührt vom rauschenden Applaus. Sie hat eine Rede gehalten, vielleicht die wichtigste ihrer Amtszeit. Merkel ist nicht berühmt für ihre Reden. Sie kann das nicht besonders gut. Der Platz auf dem Podium hinter dem Rednerpult ist nicht ihrer. Sie verliert dort ihren Witz, ihre Schlagfertigkeit, ihre Überzeugungskraft. Auf dem Parteitag in Karlsruhe aber hat die Kanzlerin gestern überzeugt.

„Wir schaffen das!“, rief die Kanzlerin in den Saal, „weil es zur Identität unseres Landes gehört, Großes zu schaffen“. Und sie erklärte, mit dem wohl größten Engagement, das der nüchternen Naturwissenschaftlerin möglich ist, warum Deutschland die Flüchtlingskrise bewältigen wird. Merkel kam in ihrer Rede ganz ohne das umstrittene Wort „Obergrenzen“ aus. Mit solchen Wortklaubereien gab sich die Kanzlerin nicht ab. Merkel betonte die historische Dimension der Aufgabe, verwies auf das Erbe der Vorgänger. Konrad Adenauer habe nicht gesagt, wir wählen etwas Freiheit. Er habe gesagt:

Wir wählen die Freiheit. Und Ludwig Erhard habe nicht formuliert, Wohlstand für fast alle, sondern: Wohlstand für alle. Da wirkte die Kritik der Gegner plötzlich verzagt und kleingeistig.

Krisenzeiten sind immer auch Zeiten, die der politische Nachwuchs zur Profilierung nutzt. Insbesondere die Jugendorganisationen sind traditionell radikaler als ihre Mutterparteien. Da ist es wie bei pubertierenden Jugendlichen. Die Meinung der Eltern zu vertreten gilt als uncool. In der Union dient die Rebellion vor allem dem Ziel, sich mehr Geltung zu verschaffen. In der hierarchisch organisierten CDU geht die Kritik aber nie so weit, die Richtung der Kanzlerin oder des Kanzler ernsthaft in Frage zu stellen. Man streitet sich nicht auf offener Bühne. Ob Energiewende, kalte Progression oder Frauenquote — im Armdrücken mit der Kanzlerin haben die Gegner im entscheidenden Moment noch immer klein beigegeben. Auch in diesem Fall lenkte die Junge Union schon vor Beginn des Parteitags ein. So geriet vor den Delegierten die Aussprache zu einer ausgiebigen Lobhudelei für die Kanzlerin. Ein ernsthafter Herausforderer wäre aber auch nicht in Sicht. Es gibt keine Alternativen zu Merkel. Das wissen auch die Kritiker nur zu gut. Aber noch nie war die Kritik der Gegner so gefährlich für die Kanzlerin. Die Flüchtlingskrise ist inzwischen wie kein Thema zuvor mit ihrer Person verknüpft.

Merkel kann die neun Minuten Applaus als Bestätigung ihres Kurses werten. Die Machtfrage ist geklärt. Vorerst. In den nächsten Wochen wird die Kanzlerin keine weiteren Angriffe fürchten müssen. Wenn im kommenden Jahr die Zahl der Flüchtlinge aber nicht sinkt, wird der Streit von vorne losgehen. Berichte Seite 3

LN

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Kommentar
Sonntagsreden

Von Börse bis Fußballplatz - Blogs unserer "Edelfedern".

Kommentar

Bissig, polemisch, kontrovers: Kommentare aus den LN.

Am Sonntag, 5. November, sind Bürgermeister-Wahlen in Lübeck. Gehen Sie hin und geben Ihre Stimme ab?

Reporter vor Ort

In einer fortlaufenden Galerie zeigen wir Ihnen jeden Tag die wichtigsten Bilder aus Lübeck und den umliegenden Kreisen. An dieser Stelle finden Sie die Galerie für den Oktober 2017.