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Die Grünen unter Spannung

Der Fall Beck zeigt die Konflikte, mit denen die Partei kämpft. Die Grünen unter Spannung

Der Sekt ist schon kaltgestellt, die Blumen für den Kandidaten sind bestellt: Die Grünen können auf ein kleines Wunder hoffen.

Der Sekt ist schon kaltgestellt, die Blumen für den Kandidaten sind bestellt: Die Grünen können auf ein kleines Wunder hoffen. Nach den jüngsten Umfragen ist es jedenfalls nicht unwahrscheinlich, dass mit Winfried Kretschmann in Baden-Württemberg zum ersten Mal ein grüner Ministerpräsident wiedergewählt wird. Ganz ohne Fukushima-Effekt, ganz normal eben. Aber was ist in diesen Tagen bei den Grünen schon normal? Während Kretschmann auch biedere Bürger begeistert, wird sein Parteifreund Volker Beck — ein gebürtiger Stuttgarter — beim Verlassen einer Dealer-Wohnung mit harten Drogen erwischt. Vermasselt Beck am Ende noch den Triumph im Südwesten?

 

LN-Bild

Von Jörg Kallmeyer

Die Spitzenleute der Grünen gaben sich gestern gelassen, hinter den Kulissen aber herrscht helle Aufregung. Die Folgen der Pädophilie-Debatte kurz vor der Bundestagswahl sind noch in bester Erinnerung. Nein, man kann vom Verhalten eines Spitzenpolitikers nicht auf alle schließen. Aber man kann Beck eben auch nicht zum Opfer einer „verfehlten Drogenpolitik“ der Bundesregierung machen, wie es die grüne Jugendorganisation allen Ernstes versucht. Die einzig richtige Anmerkung kam, wen wundert es, vom Wahlkämpfer Kretschmann, der gestern von einem „schweren Fehlverhalten“ Becks sprach.

Der Hochleistungspolitiker Beck ist komplett aus der Spur geraten. Dass ihm auch konservative Mitstreiter aus dem Bundestag Respekt für den schnellen Rücktritt von allen Ämtern zollten, zeigt, dass Beck hohes Ansehen genießt. Dabei war der schnelle Rückzug mehr als geboten: Als Innenexperte war Beck zuständig für die Kriminalitätsbekämpfung, sein Drogenproblem machte ihn erpressbar.

Die grünen Wahlkämpfer werden in der nächsten Woche damit leben müssen, dass immer neue Details über das Privatleben von Volker Beck bekannt werden. Eine Diskrepanz, wie sich jetzt zwischen dem Wahlkämpfer Kretschmann und dem gestürzten Moralpolitiker Beck auftut, ist schon fast typisch für die Grünen: Die Partei hält seit einiger Zeit enorme politische Spannungen aus. Zwischen Ortsvereinen, die sich mit Willkommensgesten für Flüchtlinge überbieten und dem Tübinger Oberbürgermeister Boris Palmer, der ein Ende der „Ponyhof-Politik“ fordert. Zwischen Multikulti-Verfechtern, die Verständnis für arabische Einwanderer fordern und Frauen, die seit Jahrzehnten gegen sexuelle Diskriminierung und für härtere Strafen bei Vergewaltigung kämpfen.

Den Grünen fällt es zunehmend schwer, eine Mitte zu finden — und sie bleiben trotzdem attraktiv für die Wähler in der politischen Mitte. Ihr Modell erlaubt es inzwischen, ein breites Spektrum nicht nur von Themen, sondern auch von Meinungen abzudecken. Das aber ist auf Dauer nur erfolgreich, wenn man sich klar von eigenen Leuten distanziert, die Grenzen des Gesetzes überschritten haben.

LN

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