Volltextsuche über das Angebot:

14 ° / 7 ° Regenschauer

Navigation:
Die Khans in bester Verfassung

Die Khans in bester Verfassung

Für wen würde man wohl als eingewanderter Moslem auf einem Wahlparteitag Partei ergreifen: Für den Kandidaten, der die Einwanderung aller Moslems in die USA grundsätzlich ...

Voriger Artikel
Fünf Milliarden Euro für Schleswig-Holstein: Das ist gerechtfertigt
Nächster Artikel
INTERNATIONALE PRESSESTIMMEN

Khizr und Ghazala Khan bieten Donald Trump und dessen Tiraden die Stirn.

Für wen würde man wohl als eingewanderter Moslem auf einem Wahlparteitag Partei ergreifen: Für den Kandidaten, der die Einwanderung aller Moslems in die USA grundsätzlich verbieten will, also Donald Trump – oder für jene Kandidatin, die Moslems, die Amerikas Freiheit liebten und den Terror hassten, auffordert: Bleibt und helft, den Terror zu besiegen?

Für Khizr Khan, einst aus Pakistan in die USA gekommen, und seine Frau Ghazala war es keine Frage: Sie warfen sich in Philadelphia für Hillary Clinton in die Bresche, verwiesen auf den Militärfriedhof Arlington, wo Gefallene aller Ethnien und Glaubensrichtungen liegen. Und auf ihren Sohn, der als US-Soldat mit 27 Jahren 2004 im Irak getötet worden war, und griffen „The Donald“ ihrerseits frontal an: Der habe selbst noch nichts und niemanden geopfert.

Womit sie womöglich einen wunden Punkt in der selbstherrlichen Inszenierung des Baulöwen Trump trafen, der sich mit seiner Glamour-Familie gern als genetisch auserlesen betrachtet. Aus diesem Gefühl heraus holzt Trump gern, nicht nur gegen Moslems. Er giftete auch gegen Republikaner-Ikone John McCain, gegen diverse Frauen, mexikanische Immigranten, Latino-Richter und B ehinderte.Und prahlte: Er könnte mitten in New York jemanden erschießen, das würde keinen stören.

So einer kann einen solchen Angriff auf sich nur mit einer neuen Entgleisung beantworten: Die Rede von Khizr Khan sei doch von Hillary Clinton verfasst, und seine Frau habe gar nichts gesagt, vielleicht habe sie ja nicht gedurft, bemühte er gängige Ethno-Klischees.

Die Gegenoffensive droht allerdings zum bisher schwersten Rohrkrepierer der Trump-Egomania-Show zu werden. Die Erniedrigung gebrochener Eltern, einer Mutter, die ihr Kind verlor – so etwas ist eine Kardinalsünde im militärvernarrten Amerika, und da gab es auch aus republikanischen Kreisen harsche Kritik. Senator Lindsey Graham brachte es im Namen vieler auf den Punkt. „Es gab einmal Dinge, die in der US-Politik geheiligt waren“, zitierte die „New York Times“ den Republikaner. Dinge, die sich nicht gehörten, „wie die Eltern eines gefallenen Soldaten zu kritisieren, selbst wenn sie dich kritisieren.“

Die Khans verlassen sich aber keineswegs auf Promi-Beistand: Sie wissen die US-Medienöffentlichkeit zu nutzen. Trump wisse nicht, was da Wort Opfer bedeute, ergriff Ghazala Khan in der „Washington Post“ das Wort. Und ihr Mann beklagte Trumps „schwarze Seele“. Zudem verhalf der Einwanderer Khan einem Klassiker zum unerwarteten Erfolg: Ob er die schon einmal gelesen habe, fragte er Trump und hielt dabei die US-Verfassung hoch. Auch damit scheint er wunde Punkte berührt zu haben: Seitdem schoss das Werk auf Platz zwei von Amazons Bestsellerliste nach vorn. Gabriele Chwallek

LN

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Kommentar
Sonntagsreden

Von Börse bis Fußballplatz - Blogs unserer "Edelfedern".

Kommentar

Bissig, polemisch, kontrovers: Kommentare aus den LN.

Sollte die Direktwahl von Bürgermeistern abgeschafft werden?

Reporter vor Ort

In einer fortlaufenden Galerie zeigen wir Ihnen jeden Tag die wichtigsten Bilder aus Lübeck und den umliegenden Kreisen. Klicken Sie hier, um die Galerie für den November 2017 zu sehen!