Volltextsuche über das Angebot:

17 ° / 10 ° Regenschauer

Navigation:
Die Kreuzfahrtbranche eilt von Rekord zu Rekord, aber an Lübeck vorbei

Kommentar Die Kreuzfahrtbranche eilt von Rekord zu Rekord, aber an Lübeck vorbei

Es ist der Boom der anderen: Kreuzfahrten werden immer beliebter, die Schiffe immer größer. Doch Lübeck spielt weder als Werftstandort, noch als Kreuzfahrthafen eine Rolle.

Voriger Artikel
Der Gipfel offenbart Schwächen
Nächster Artikel
Nur Mut, Lübeck!

Ein Kommentar von Peter Intelmann.

Der Eiffelturm steht mitten in Paris und ist 324 Meter hoch. Und wenn am Donnerstag im Halbfinale gegen Frankreich ein paar Dinge anders gelaufen wären, würde er uns heute Abend vielleicht auch etwas mehr interessieren.

Die beiden Schiffe, die die Papenburger Meyer Werft im Herbst 2018 und im Jahr darauf für die Norwegian Cruise Line abliefern wird, haben noch keinen Namen. Aber sie messen ebenfalls 324 Meter. Und wenn nicht alles täuscht, ist damit noch kein Ende in Sicht.

Kreuzfahrten sind eine der goldenen Branchen in einer an goldenen Branchen armen Zeit. Wo momentan allenfalls Krisen zur Hochkonjunktur neigen, eilen sie von Rekord zu Rekord. Die Schiffe werden größer, die Zahl der Passagiere steigt, in den Auftragsbüchern reicht langsam der Platz nicht mehr. Am kommenden Freitag wird Lena Meyer-Landrut in Travemünde „Mein Schiff 5“ von Tui Cruises taufen – einer von einem Dutzend Kreuzfahrern, die deutsche Werften bis 2019 abliefern sollen. Auftragsvolumen alles in allem: knapp neun Milliarden Euro.

25 Millionen Menschen weltweit haben im vergangenen Jahr eine solche Reise unternommen, darunter 1,8 Millionen Deutsche. In diesem Jahr soll die Zwei-Millionen-Marke durchbrochen werden, sagen die Experten. Dabei sind die Bundesbürger mit gut 27 Prozent schon jetzt Marktführer in Europa. Und wenn es die Luxusliner nicht gäbe, wüsste der sieche Schiffbau vermutlich überhaupt nicht ein noch aus.

Kreuzfahrten sind längst keine elitäre Angelegenheit mehr. Sie haben wie Tennis oder Golf seit langem die Lebenswelt der Mittelschicht kolonisiert. Inzwischen stechen selbst Heavy-Metal-Schiffe in See und sind im Handumdrehen ausgebucht. Kreuzfahrten sind die sichere Variante von Urlaub, ein Rundum-Glück, bei dem nichts dem Zufall überlassen wird. Es sind Club-Ferien auf See mit Shows und Bars und Theater, mit Restaurants und Shopping-Malls.

Das ist etwas irritierend in Zeiten, in denen einem das Zurück zum Ursprünglichen allenthalben angedreht wird. In denen selbst die Baumarkt-Werbung fragt: „Du lebst. Erinnerst du dich?“ Das klingt eher nach Abenteuerurlaub als nach einer Reise auf einem schwimmenden Hotel, in dem ein paar ´Tausend Menschen von ein paar Tausend Bediensteten umsorgt werden. Und dennoch gehen immer mehr Passagiere an Bord – und immer mehr jüngere.

An Lübeck aber geht der Boom vorbei. Wo Wismar gerade zum neuen Schiffbau-Zentrum mit Rostock und Stralsund als Zuliefern werden soll, kommt er für die hiesige Werftindustrie zu spät. Als Kreuzfahrthafen spielt Lübeck neben Hamburg, Kiel und Rostock keine Rolle. Und der Aufschwung der Flusskreuzfahrten ist in der einstigen Königin der Hanse ebenfalls nicht angekommen. Allerdings gilt ja auch: Nur was nicht ist, ist möglich.

Ein Kommentar von Peter Intelmann

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Sonntagsreden

Von Börse bis Fußballplatz - Blogs unserer "Edelfedern".

Kommentar

Bissig, polemisch, kontrovers: Kommentare aus den LN.

Bundestagsparteien haben sich für eine Verlängerung der Wahlperiode von vier auf fünf Jahre ausgesprochen. Eine gute Idee?

In Kücknitz ist am Vormittag bei Bauarbeiten auf einem Firmengelände möglicherweise eine Bombe freigelegt worden.
Reporter vor Ort

In einer fortlaufenden Galerie zeigen wir Ihnen jeden Tag die wichtigsten Bilder aus Lübeck und den umliegenden Kreisen. An dieser Stelle finden Sie die Galerie für den September 2017.