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Die Macht ist mit uns

Was wir aus dem Paralleluniversum von „Star Wars“ lernen. Die Macht ist mit uns

Als sein Film 1977 im berühmten Chinese Theatre am Hollywood Boulevard anlief, saß Regisseur George Lucas ein paar Meter weiter im Restaurant beim Essen.

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Von Stefan Stosch

Als sein Film 1977 im berühmten Chinese Theatre am Hollywood Boulevard anlief, saß Regisseur George Lucas ein paar Meter weiter im Restaurant beim Essen. Er wunderte sich, so geht die Legende, wieso sich auf der Straße eine immer weiter anwachsende Schlange bildete. Dann begriff er: Die Menschen wollten so schnell wie möglich „Star Wars“ sehen.

Daran dürfte sich nichts geändert haben, wenn morgen „Das Erwachen der Macht“, der siebte Teil der Sternen-Saga, startet. Die Vorverkaufszahlen bewegen sich vielerorts auf diesem Planeten auf Rekordniveau. Es wird gemutmaßt, dass die Weltraumschlachten rund um Han Solo und R2-D2 „Avatar“ als erfolgreichsten Film der Kinogeschichte ablösen könnten.

Der Mix aus Märchen, Mythos und avancierter Kinotechnik fasziniert ebenso ergraute Jedi- Ritter der ersten Stunde wie auch deren Enkel, die sich im Kinderzimmer mit ihren Lego-Sturmtruppen verschanzen. Die in den Filmen viel beschworene Macht hat von uns Besitz ergriffen. Nur scheint noch nicht so recht klar, ob deren helle oder dunkle Seite die Oberhand gewinnt.

„Star Wars“ ist selbst zum monströsen Imperium gewachsen — erst recht, seit George Lucas vor drei Jahren die Rechte an Disney verkaufte. Der Film wird von der Merchandising-Maschine schier erdrückt.

Disney arbeitet mit Hochdruck daran, die ursprüngliche Story rund um einen Schurkenvater mit Atembeschwerden und seinen widerständigen Sohn in alle denkbaren Richtungen weiterzuspinnen. Spiele, Videogames, Comics, Fernsehproduktionen, Themenparks: Warum soll man eigentlich noch ins Kino gehen? Aber so einfach ist es nicht. Es stimmt, „Star Wars“ repräsentiert — zusammen mit Steven Spielbergs „Der weiße Hai“ — die Geburt des Blockbuster-Kinos und dessen Fortsetzungswahn. Und doch berühren die Geschehnisse in einer weit, weit entfernten Galaxie die Generationen so sehr, dass sie diese nach ihren eigenen Bedürfnissen interpretieren.

Längst haben die Fans ihr Paralleluniversum erschaffen. Sie bauen Laserschwerter, verkleiden sich als Zottelvieh Chewbacca oder drehen Filme, in denen Darth Vader als Supermarkt-Kassierer jobbt. Im Internet wird die Saga nach Lust und Laune umgeschrieben. Wer gut und wer böse ist in dieser Zukunftswelt, die eben doch Züge unserer Gegenwart trägt, entscheidet nicht Disney allein — und der Konzern hat viel Respekt vor den Wünschen der „Star Wars“-Gemeinde, die mit quasi-religiöser Inbrunst über ihre Helden wacht.

So wird der generalstabsmäßig angezettelte Hype in etwas Spielerisches, Persönliches verwandelt. Dem Phänomen „Star Wars“ haftet etwas Freiheitsliebendes an, was der neue Oberschurke Supreme Leader Snoke niemals akzeptieren würde: Disney, das einflussreichste Kino-Imperium der Milchstraße, muss sich die Macht mit uns teilen. Berichte Seite 3

LN

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