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Die Stunde der Ehrgeizigen

Auch nach diesem Gipfel ist das Klima noch nicht gerettet. Die Stunde der Ehrgeizigen

Ob nun noch in letzter Minute Abstriche erfolgten oder die Delegierten am Ende eines zweiwöchigen Verhandlungsmarathons zu müde für weitere Hinhaltetaktik waren: ...

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Von Michael Wittler

Ob nun noch in letzter Minute Abstriche erfolgten oder die Delegierten am Ende eines zweiwöchigen Verhandlungsmarathons zu müde für weitere Hinhaltetaktik waren:

Dass sich 195 Staaten zumindest auf dem Papier so weit in Richtung Ausstieg aus fossilen Energieträgern und hin zu erneuerbaren Energien vorgekämpft haben, ist wenigstens ein kleines Hoffnungszeichen in einer Welt, die in letzter Zeit vermehrt in alte Verhaltensmuster des Egoismus und der nationalen Verbohrtheit zurückgefallen ist.

Vielleicht half ja die frische Meldung von Copernicus, dem Flaggschiff der Europäischen Union für Klima- und atmosphärische Analyse, dass das ablaufende Jahr das wärmste seit Beginn der Klimaaufzeichnungen war, dass das Klimaphänomen El Nino derzeit mit weltweiten Auswirkungen so schlimm wütet wie lange nicht, dass die USA unter Dürren, Waldbränden und dann wieder Stürmen und Sturzfluten enormen Ausmaßes leiden, dass Peking unter seiner Smog-Dunsthaube manchmal kaum noch zu erkennen ist, dass auch uneinsichtige Luftverpester zumindest keinen offenen Widerstand mehr leisten gegen weltweite Maßnahmen gegen diesen Klimawandel.

Doch werden alle Verhandlungsteilnehmer in den Vertragstext hinreichend Hintertürchen hineinmontiert haben, durch die sie sich, wenn es ernst wird — also Geld kostet und die Gesellschaften aus ihren bisherigen Komfortzonen bei der jeweiligen Energie-Erzeugung herausgeholt werden — schnell wieder in die Büsche schlagen können. „Die Industrieländer haben erfolgreich alle Forderungen nach konkreten Verpflichtungen im neuen Abkommen abgewehrt“, kritisierte die Nichtregierungsorganisation Oxfam bereits nach erster Einsichtnahme in das Abschlussdokument. Der britische Wirtschaftsforscher und Klimaexperte Nicholas Stern, der vorgerechnet hat, dass ein „Weiter so“ die Welt teurer zu stehen kommt als ein Umsteuern, nennt den gestern Abend vorliegenden Text dagegen „das beste, was ich in den vergangenen Jahren gesehen habe“. Werde er umgesetzt, sei klar, dass „niedrige CO2-Emissionen der Weg der Zukunft sind“. Hoffentlich kommt das „deutliche Signal an Investoren“, von dem er spricht, an.

Selbst Fortschritte wie die in Paris sind also wenig mehr als eine unverbindliche Zusage, zumal wenn es einreißt, dass neu an die Macht kommende Regierungen von ihren Vorgängern eingegangene Verpflichtungen nicht mehr anerkennen, Völkerrecht hin, Völkerrecht her. Entsprechende Töne sind ja zum Beispiel von den Trumps und Konsorten im US-Vorwahlkampf bereits zu vernehmen. Die „Koalition der Ehrgeizigen“ wird also am Ball bleiben müssen — und all die Organisationen und Kritiker ebenfalls, damit der Ehrgeiz nicht erlischt, wenn auch das politische Klima einmal rauer wird.

Bericht Seite 5

LN

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