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Die Travemünder Woche genießen, trotz Terror? Ja. Unbedingt.

Lübeck Die Travemünder Woche genießen, trotz Terror? Ja. Unbedingt.

Ein Segelfest in stürmischen Zeiten: Eine Woche vor der Travemünder Woche fährt ein Mann mit dem Lkw zwei Kilometer über die Strandpromenade von Nizza, er tötet 84 Menschen.

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Lars Fetköter meint: Gerade jetzt in schweren Zeiten sollten wir feiern.

Quelle: Wolfgang Maxwitat

Lübeck. Am Eröffnungsabend der TW wird München von einem Amokläufer in Panik versetzt. Am Sonntagabend gibt es einen Selbstmordanschlag auf ein Musikfestival im bayerischen Ansbach mit 15 Verletzten. Der weltweite Terror sitzt uns im Nacken. Während der Schrecken näherrückt, feiern wir hier zehn Tage lang an der Travemündung, bejubeln Segler, lassen es uns auf der Festmeile gutgehen. Dürfen wir das?

Die Antwort ist ja. Mitgefühl mit den Anschlagsopfern und ihren Angehörigen zu üben heißt nicht, sich zu verkriechen und sich jeden Spaß zu versagen. Natürlich wächst die Sorge, selbst in Gefahr zu geraten, wenn die Orte solcher Angriffe näherrücken. Die Veranstalter der Travemünder Woche verzeichnen weniger Besucher als in den Vorjahren. Gut möglich, dass der Rückgang dieser wachsenden Sorge geschuldet ist. Aber es genießen dennoch mehr als 800 000 Menschen diese 127. TW, und sie können dies im Bewusstsein tun, dass im Hintergrund viel für ihre Sicherheit getan wird.

Ein kleines Mädchen humpelt auf die Sanitäter-Station zu. „Haben Sie mal ein Pflaster“, fragt die Mutter bei der Einsatzleitung von DRK und Johannitern. Es sind zum Glück vor allem solche Einsätze, die die Ehrenamtler im Hintergrund leisten, und keine Großlagen mit vielen Verletzten. Aber die Wiese zwischen Festmeile und Maritim-Hotel ließe sich schnell zu einem Behandlungsort mit Zelten und Liegen ausbauen. Polizei und TW-Macher schüren keine Panik, es gibt keine schwerbewaffneten Patrouillen. Aber sie sind wachsam. Alle Standbetreiber werden mit in die Verantwortung genommen. Wer eine verdächtige Person beobachtet, hat eine Telefonnummer, unter der er sich sofort melden kann. „Viele-Augen-Prinzip“ nennen dies die Organisatoren. In einer großen Menschenmenge am Strand zu flanieren, mag auf den ersten Blick riskanter sein, als auf dem heimischen Sofa zu kauern. Doch wenn wir uns davon abhalten lassen, uns Gesicht und Seele von der Ostseesonne wärmen zu lassen – sind wir dann nicht selbst schon so etwas wie Terroropfer?

Die Travemünder Woche ist weit mehr als eine fröhliche Feier in furchterregender Zeit. Auch in diesem Jahr ist es gelungen, hochklassigen Segelsport vom Ufer aus erfahrbar zu machen. Das erkennen auch kundige Gäste: „Dass die Boote den Gästen fast direkt über den Teller fahren, ist unschlagbar“, sagt Jürgen Missing, Organisator der Warnemünder Woche, dem TW-Gegenstück aus Rostock. Trotz langer Flaute-Phasen haben die findigen Wettfahrtleiter alle Regatten ausgetragen. Freuen wir uns heute auf einen gut gelaunten Abschlusstag. Ohne Furcht.

LN

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