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Die große Blase

Der Justizminister und sein Kampf gegen Hasskommentare. Die große Blase

Erst kommen die Worte, dann kommen die Taten.“ Bundesjustizminister Heiko Maas hat gestern noch einmal in dramatischen Worten klargestellt, warum er es sich seit ...

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Vergebene Chance

Von Dirk Schmaler

Erst kommen die Worte, dann kommen die Taten.“ Bundesjustizminister Heiko Maas hat gestern noch einmal in dramatischen Worten klargestellt, warum er es sich seit Monaten zur Aufgabe gemacht hat, gegen die sogenannten Hass-Kommentare auf Facebook vorzugehen. Er sieht einen direkten Zusammenhang zwischen brennenden Asylbewerberheimen und der Stimmungsmache im Netz. Und er hat mehr erreicht, als ihm die meisten zugetraut hätten. Facebook hat vor Kurzem eine Firma beauftragt, das Netzwerk nach Hassbotschaften zu durchforsten und verunglimpfende und rassistische Kommentare in Deutschland zu löschen. Nun folgt ein weiterer Versuch der „Freunde“- Maschine aus dem Silicon Valley, auf deutsche Befindlichkeiten einzugehen. Facebook will gemeinsam mit honorigen Organisationen eine Initiative für Zivilcourage gründen, um Extremismus im Internet entgegenzuwirken.

Das ist ein löblicher Ansatz und letztlich zielführender als das plumpe Löschen — zumal ja längst nicht jeder fremdenfeindliche Kommentator auch rechtlich belangt werden kann.

Das Facebook-Problem ist aber viel grundsätzlicher. Die Ursache für die oft beklagte Enthemmung im Netz, für das zunehmend verbreitete Gefühl, die Welt da draußen lügt und betrügt, liegt auch in der Architektur des sogenannten sozialen Internets selbst. Die hochentwickelten Facebook-Algorithmen sind darauf geeicht, ihren Nutzern Infos, Produkte und Kontakte zu vermitteln, die ihren Interessen möglichst genau entsprechen. Jeder Klick, jedes „Gefällt mir“ verfeinert diese Filter und schafft eine engere, angepasstere und personalisiertere Blase, die vermeintlich Unerwünschtes aussortiert und Gleichgesinnte zusammenbringt.

Man darf sich zum Beispiel einen Ufo-Forscher in Zeiten der sozialen Netzwerke nicht als einsamen Menschen vorstellen. Man kann sich stundenlang mit einem entsprechenden Profil auf Facebook bewegen, ohne auf einen „Freund“, einen Post oder auf einen Artikel zu stoßen, der behauptet, es gebe keine Ufos. Facebook erschafft unzählige Nebenrealitäten, die in Wahrheit nicht mehr sind als Echokammern für die eigenen Vorstellungen und Vorurteile.

Ein Gutteil der Wut, die sich in diesen Tagen gegen jegliche Institutionen bahnbricht, hat in diesen gefilterten Wahrnehmungen ihren Nährboden. Wer den ganzen Tag über Meldungen aus ganz Europa zu Flüchtlingskriminalität geschickt bekommt, wähnt sich in einer anderen Welt als jemand, dessen Facebook-Kontakte sämtlich in Flüchtlingsunterkünften arbeiten.

Die Folgen sind riesig. Die Gesellschaft verliert zunehmend die Fähigkeit, auf einer gemeinsamen Grundlage zu streiten. Das schürt den Hass — und vergrößert die Sprachlosigkeit. Das ist letztlich womöglich schlimmer als hässliche Kommentare. Denn auch keine Worte können zu Taten führen.

LN

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