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Ein Schlüssel-Erlebnis

LEITARTIKEL Ein Schlüssel-Erlebnis

Wie sollen wir Ostern feiern, wenn doch so viel Leid und Terror in der Welt sind? Man könnte meinen, der Karfreitag wolle kein Ende nehmen.

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Von Bischöfin Kirsten Fehrs

Wie sollen wir Ostern feiern, wenn doch so viel Leid und Terror in der Welt sind? Man könnte meinen, der Karfreitag wolle kein Ende nehmen. Besonders blutig begann die Karwoche am Palmsonntag in Ägypten, als 45 koptische Christen bei islamistischen Anschlägen getötet wurden. Das ist mir sehr nahe gegangen. Zumal ich ökumenisch mit dem koptischen Bischof Anba Damian verbunden bin. Zu meiner Einführung als Bischöfin hatte er mir damals ein wunderschönes Kreuz geschenkt. Dass es mich, die Schwester, schütze und segne.

Kürzlich las ich ein Interview mit ihm. Ob er denn angesichts all der Gewalt überhaupt noch Ostern feiern könne, wurde er gefragt. „Aber ja!“, erwiderte er. „Ostern ist das Fest des Sieges über den Tod!“ Und fügte hinzu: „Im Leiden Jesu verschwinden alle Leiden der Menschheit. Wir freuen uns an Ostern, mit ihm aufzuerstehen. Damit gibt er uns die Hoffnung, mit ihm in alle Ewigkeit leben zu dürfen.“

Ähnliches habe ich schon oft von orientalischen Christen gehört. Sie bewahren die Hoffnung auch im tiefsten Leid. Natürlich lösen solch brutale Anschläge auch bei ihnen Schmerz, Trauer und Traumata aus. Doch bemerkenswert finde ich: Daraus folgen keine Hassparolen, da ist kein Drang nach Vergeltung. Sie lassen sich nicht hineinziehen in die Gewaltspirale. Sie deuten stattdessen die Welt vom Kreuz her. Allein Jesu Tod und seine Auferstehung erschließen ihnen die Wirklichkeit. Und so ist es vielleicht kein Zufall, dass das koptische Kreuz an einen Schlüssel erinnert.

Die Haltung hinter dieser Weltsicht ist ja: Das Leben selbst ist ein so hohes Gut, dass jeder Hass und jede Vergeltungssucht mich stärker von ihm trennen, als ein Terrorist es je könnte. Daraus erwächst eine unglaubliche Stärke, die diese Kirche seit fast 2000 Jahren überleben lässt. Vom Kreuz her die Welt erschließen, das ist nicht zu verwechseln mit stiller Passivität. Die Kopten protestieren sehr wohl gegen die Gewalt der Terroristen. Sie fordern ihr Recht und erheben ihre Stimme gegen die Diskriminierung, die sie als religiöse Minderheit erfahren. Und ich sehe es als unsere Verpflichtung an, sie darin zu unterstützen.

In jedem Fall bin ich beeindruckt von dem sanften Mut, der von dieser Haltung ausgeht. Ich wünsche mir diese Gelassenheit auch für unsere Gesellschaft, die in diesen Zeiten vor so großen Herausforderungen steht. Mögen uns Kreuz und Auferstehung zum Schlüsselerlebnis werden und Kraft geben zur Hoffnung.

Ich wünsche Ihnen ein gesegnetes Osterfest!

LN

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