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Ein Weckruf aus der Prärie

Überraschungen prägen Auftakt der US-Vorwahlen in Iowa. Ein Weckruf aus der Prärie

Mit einem Knalleffekt startet Amerikas Wahlkampfjahr. Bei den Republikanern steht Ted Cruz steht auf dem Siegerpodest — gefolgt von Donald Trump.

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Von Stefan Koch

Mit einem Knalleffekt startet Amerikas Wahlkampfjahr. Bei den Republikanern steht Ted Cruz steht auf dem Siegerpodest — gefolgt von Donald Trump. Und die Demokraten Hillary Clinton und Bernie Sanders liefern sich überraschend ein Kopf-an-Kopf-Rennen. Die seriösen Kräfte reiben sich verwundert die Augen: Wie kommt es, dass die Außenseiter so weit vorn liegen?

Nun ist Iowa wenig repräsentativ für die Vereinigten Staaten: Überwiegend weiß, agrarisch und streng religiös geprägt. Und doch geht von dem ersten „Caucus“ eine Signalwirkung aus: Wer in diesem abgelegenen Bundesstaat mitten in der Prärie gewinnt, genießt Rückenwind. Denn nach unzähligen Debatten und Umfragen liegt nun erstmals ein Votum der Wähler vor.

Die euphorischen Reden nach der Stimmenauszählung sind allerdings mit Vorsicht zu genießen: Zu der „Revolution“, die der Sozialist Sanders ausruft, dürfte es so schnell nicht kommen. Seine Attacken gegen die Wall Street und gegen das reichste eine Prozent der Amerikaner lassen aufhorchen — von einer Barrikadenstimmung ist die Mehrheit des Landes dennoch weit entfernt. Nichtsdestotrotz kommt das Ergebnis von Iowa einem Weckruf gleich. Dass sich mehr als die Hälfte der Republikaner für einen Tea-Party-Kandidaten und für einen windigen Geschäftsmann aussprechen, zeigt einmal mehr, wie sehr aufgebauschte Rhetorik auf die Wähler wirkt. Die „Grand Old Party“ erntet die Früchte ihres Zorns: Wer ständig den Untergang Amerikas an die Wand malt, darf sich nicht wundern, wenn sich Wähler an dem Gedanken berauschen, „Amerika wieder groß zu machen“ — was auch immer das heißen mag.

Fest steht, dass der Streit um politische Inhalte noch gar nicht richtig begonnen hat. So wird es auf Dauer für Cruz nicht ausreichen, Abtreibungen zu verteufeln, Waffengeschäfte zu besuchen und die Bibel zu zitieren. Auch Trump kann sich nicht immer den Diskussionen entziehen und nur vom Mauerbauen faseln.

Die eigentliche Botschaft für die Republikaner verbirgt sich denn auch hinter dem Siegerpodest: Marc Rubio liegt fast gleichauf mit Trump. Auf dem jungen Mann mit kubanischen Wurzeln ruht jetzt die Hoffnung der Parteiführung. Auf den harten Mechanismus des US-Wahlkampfes vertrauen kann auch Clinton. Die 68-Jährige ist für ein breites Spektrum der Wählerschaft wählbar. Dass sie es bei der evangelikalen Landbevölkerung schwer haben würde, war absehbar.

Für Clinton und Rubio kommt es jetzt darauf an, ihren Landsleuten zu erklären, dass ihnen der amerikanische Traum nicht genommen wird — weder von illegalen Immigranten aus Mexiko, noch von der Wall Street. Auf die Globalisierung der Wirtschaft und auf die digitale Revolution bedarf es Antworten, die sich nicht auf Schlagwörter beschränken.

LN

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