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Ein bisschen AfD?

LEITARTIKEL Ein bisschen AfD?

Wenn sich nicht alle Meinungsforscher irren, wird die AfD in den nächsten Bundestag einziehen. Nach den letzten Umfragen könnte die Partei auf 12 Prozent der Stimmen und rund 85 Mandate kommen.

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Von Wolfgang Büchner

Wenn sich nicht alle Meinungsforscher irren, wird die AfD in den nächsten Bundestag einziehen. Nach den letzten Umfragen könnte die Partei auf 12 Prozent der Stimmen und rund 85 Mandate kommen.

„In Zeiten von

Nationalismus und Rassismus

kann sich demokratische

Lethargie rächen.

Wollen Sie das? Falls nicht, gibt es dagegen nur ein wirksames Mittel. Gehen Sie zur Wahl und geben Sie Ihre Stimme einer der fünf anderen Parteien, die voraussichtlich in den Bundestag einziehen werden: Union, SPD, FDP, Grüne oder Linke. Eine Spaßpartei wie „Die Partei“ zu wählen, einen ungültigen Stimmzettel abzugeben oder zu Hause zu bleiben, ist sinnlos, wenn man verhindern will, dass Rechtspopulisten ins Parlament einziehen.

Warum? Weil es im Bundestag weder Sitze für „Sonstige“ noch für die ominöse „Partei der Nichtwähler“ gibt. Vom Quatschwählen oder Nichtwählen profitieren letztlich allein die Parteien, die in den Bundestag einziehen. Sollte die AfD wirklich zehn Prozent der Mandate erringen, hätte jeder Nichtwähler ein Zehntel seines Mitspracherechts Gauland, Weidel, von Storch und Co. überlassen. Kein Nichtwähler kann sich hinterher damit herausreden, dass er mit dieser Wahl nichts zu tun gehabt habe.

Wie kommt es, dass überhaupt jemand auf das Privileg verzichtet, seine Stimme abzugeben? In der Forschung gibt es verschiedene Erklärungsansätze. Eine der gängigsten lautet: Nichtwähler sind mit den herrschenden Verhältnissen im Großen und Ganzen zufrieden.

Doch in Zeiten wie diesen, in denen Nationalisten und Rassisten weltweit Konjunktur haben, könnte sich diese demokratische Lethargie rächen. Voriges Jahr haben Nichtwähler den Populisten zwei überraschende Erfolge beschert: Hätten genug Menschen gewählt, gäbe es heute weder einen Brexit, noch einen US-Präsidenten Donald J. Trump.

Wahlmüdigkeit ist bedauerlich. Doch richtiggehend frivol ist die intellektuelle Systemverachtung, die auch vor dieser Wahl wieder die Runde macht. Man könne es den Leuten nicht verübeln, wenn sie zu Hause bleiben, schrieb Jakob Augstein kürzlich in einer Kolumne. „Es ist nämlich kein Zeichen von politischer Reife, sich immer wieder für das kleinste Übel zu entscheiden. Sondern von Resignation“, schreibt er. Grotesk! Wenn das Wählen einer Partei, mit der man nicht hundertprozentig übereinstimmt einer Resignation gleichkommt, was ist dann Nichtwählen? Resignation im Quadrat? Wohin soll das führen? In ein Land, dessen Regierung kaum noch legitimiert ist, weil die Mehrheit der Wähler zu Hause bleibt?

Eine Demokratie lebt davon, dass sich genügend Menschen in politischen Parteien engagieren. Dass sie wählen gehen und dadurch dokumentieren, dass es ihnen nicht egal ist, ob sie in einer Diktatur oder in Freiheit leben. Überlassen Sie diese Wahl nicht anderen. Wählen Sie selbst.

LN

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