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Ein folgenreiches Wunder

Pfingsten markiert den Beginn der christlichen Mission. Ein folgenreiches Wunder

Als die Apostel Jesu 50 Tage nach der Wiederauferstehung ihres Meisters plötzlich und unerwartet den Heiligen Geist empfingen, sprachen und verstanden sie plötzlich alle Sprachen dieser Welt.

Als die Apostel Jesu 50 Tage nach der Wiederauferstehung ihres Meisters plötzlich und unerwartet den Heiligen Geist empfingen, sprachen und verstanden sie plötzlich alle Sprachen dieser Welt. Ein ekstatisches Ereignis, das wichtigste dieser Art im Neuen Testament, ein außergewöhnliches Ereignis. Von Pfingsten an trauten sich die Apostel hinaus in alle Welt, um für ihren Glauben zu werben, von Pfingsten an wurde aus einer jüdischen Sekte eine neue Religion. Die sich in ihren frühen Jahren mit erstaunlicher Durchsetzungskraft gegen alle Widerstände behauptete und heute, 2000 Jahre später, noch immer einen großen Teil der Welt religiös und kulturell bestimmt.

 

LN-Bild

Von Jürgen Feldhoff

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Pfingsten ist wie vieles im Christentum keine neue Erfindung. Es ist eine Umdeutung schon viel früher bestehender religiöser Gebräuche und Legenden. Antike Kulte, vor allem die Dionysus-Verehrung, machten den Rausch zum Prinzip der Annäherung an ihren Gott – man hielt die plötzlich der Fremdsprachen mächtigen Apostel dann auch zunächst für schlicht betrunken. Die Anwesenheit der Götter oder Geister in Form von rauschhaften Visionen war in allen Kulturen bekannt – das Christentum hat sich dieses Motiv zueigen gemacht. Das ist normal in synkretistischen Religionen, anders ist auch zum Beispiel der Islam nicht entstanden.

Die tiefe Symbolik des Pfingst-Wunders aber liegt in der Beendigung der Sprachlosigkeit zwischen den sprachlich getrennten Völkern. Wenn man so will, ein Ende des Zustandes, der mit dem Turmbau von Babylon und der Sprachverwirrung begonnen hatte. Die gemeinsame neue Sprache war seit Pfingsten die des Christentums, die Apostel waren plötzlich dazu in der Lage, den praktischen Nutzen daraus zu ziehen.

Und so kam es zur christlichen Mission, und das Christentum ist in der westlichen Welt noch immer die geistliche (und geistige) Grundlage aller Kultur. Wie man auch immer allgemein zu Religion und speziell zum Christentum steht: Europa und der Westen sind christlich geprägt. Für den außerhalb der Kirchen stehenden mutet es seltsam an, dass um Fragen wie die der Definition des Heiligen Geistes oder des Abendmahls in beiderlei Gestalt Kriege geführt wurden. Auch diese Auseinandersetzungen, die Ausübung von Gewalt im Namen der christlichen Religion sind Folgen des Pfingst-Ereignisses. Und deshalb ist Pfingsten, wenn man die Historie betrachtet, nicht nur ein frohes Fest. Aber offenbar gehört Gewalt zum Menschsein – insofern ist Pfingsten tatsächlich auch ein menschliches Fest, das alle Aspekte mit einschließt.

Und so feiere wer will und mag den Tag der Ausgießung des Heiligen Geistes vor 2000 Jahren begehen. Dieser Tag hat Bewegung in die Welt gebracht, diese Bewegung prägt unsere Welt bis heute. Um das zu erkennen, genügt ein Blick auf eine Kathedrale. Frohe Pfingsten!

LN

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