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Ein smarter Zug von Theresa May

Kommentar zur Ernennung von Boris Johnson zum Außenminister Ein smarter Zug von Theresa May

Boris Johnson ließ kaum ein Fettnäpfchen aus, wenn es um außenpolitische Angelegenheiten ging. Seine Beleidigungen lösten sogar kleine diplomatische Krisen aus. Warum seine Ernennung zum Außenminister dennoch ein geschickter Zug von Theresa May war, erklärt unsere Autorin im Kommentar.

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Ein Kommentar von Katrin Pribyl.

Man kann Boris Johnson viele Attribute zusprechen. Unterhaltsam ist er, rhetorisch brillant und volksnah ebenfalls. Nur als großer Diplomat ist der frühere Bürgermeister von London noch nie in Erscheinung getreten. Im Gegenteil. Kaum einen Fehltritt, kaum ein Fettnäpfchen ließ der Sprücheklopfer aus, wenn es um außenpolitische Angelegenheiten ging oder er zu Spitzenpolitikern fernab der Insel Stellung bezog. Die Beleidigungen reichten zuweilen so weit, dass sie kleine diplomatische Krisen auslösten. Peinlich waren sie allemal. Doch dem zerzausten Konservativen wurde leider irgendwie immer verziehen. Sogar im Ausland lachte man über den Schauspieler. Jetzt lacht keiner mehr.

Der angebliche Europaskeptiker war schon verschwunden – nur, um in einem spektakulären Comeback wieder aufzutauchen. Jetzt aber zählt es. Johnson muss sich im neuen Amt dringend ändern, denn es reicht nicht mehr, billige Lacher zu erzeugen. Zurückhaltung, Sachkenntnis und Ernsthaftigkeit sind auf diplomatischem Parkett gefragt. Dass der Opportunist wandlungsfähig ist, hat die Vergangenheit gezeigt. Und er hat viel zu verlieren. Scheitert Boris Johnson im Amt, ist die politische Karriere des Machtmenschen vorbei – und Theresa May kann ihn ohne Ehren entlassen. Feiert er Erfolge, freut das vor allem die neue Premierministerin.

 May agiert in der Regel pragmatisch, überlegt und auf die Sache fokussiert. Sie weiß, wen sie sich mit Johnson ins Kabinett geholt hat. Dabei wird er nur eine untergeordnete Rolle bei den schwierigen Verhandlungen mit der EU spielen, da der Brexit-Minister David Davis die Details der Scheidung koordinieren soll. Liam Fox ist für die Ausgestaltung der internationalen Handelsbeziehungen zuständig. Dass alle drei Herren, die künftig die schwierigen Verhandlungen mit der EU sowie mit dem Rest der Welt führen müssen, aus dem Brexit-Lager stammen, ist geschickt. Sie haben monatelang mit absurden Versprechen, Halbwahrheiten und einem Schmierentheater das halbe britische Volk gegen die EU aufgehetzt und ein Paradies außerhalb der Gemeinschaft aufgemalt. Jetzt hat May ihnen die Verantwortung übergeben, den Scherbenhaufen abzutragen, den sie nach der völlig ausgearteten Party hinterlassen haben.

May hat Recht damit, die Brexiteers in die Pflicht zu nehmen. Viele Zusagen werden nicht einzuhalten sein, Enttäuschungen dürften die Briten zu verdauen haben. Mit der Bildung eines ausgeglichenen Kabinetts versucht May, die Sorge der Brexit-Wähler zu zerstreuen, sie könnten übergangen und der Brexit verwässert werden. Sie muss das gespaltene Land versöhnen, genauso wie die Tory-Partei. Manche betrachten zwar die Ernennung Johnsons zum Außenminister als misslungenen Ausdruck britischen Humors. Doch ist sie vor allem eines: ein smarter Zug von Theresa May.

Ein Kommentar von Katrin Pribyl

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