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Ein wenig Gerechtigkeit

Kommentar zu den Panama Papers Ein wenig Gerechtigkeit

Hand aufs Herz: Wer wundert sich wirklich, dass ein Mann wie Lionel Messi sein Geld in Panama parkt? Fußballprofis seines Kalibers sind nur selten Herr ihrer eigenen Vermögensverwaltung. Mit Moral kann man diesen Millionären kommen, aber man kommt eben nur selten weit.

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Ein Kommentar von Jörg Kallmeyer.

 Anders sieht es mit den Politikern aus, die in den Panama-Papieren stehen, deren Inhalt jetzt die ganze Welt bewegt.

 Der isländische Regierungschef David Gunnlaugsson hat seinen politischen Aufstieg just in dem Moment begonnen, als die Banken seines Landes gerade zusammengebrochen waren. Dank der europäischen Solidarität überstand das Land, das Gunnlaugsson heute regiert, die Krise. Europa hat viel dafür getan, dass der ukrainische Präsident Petro Poroschenko das Vertrauen seiner eigenen Bevölkerung und das der gesamten westlichen Welt bekommt. Auch darum wiegt es schwer, dass Männer wie Gunnlaugsson und Poroschenko auf der langen Liste jener auftauchen, die Geld an Briefkastenfirmen in Panama transferiert haben sollen. Ob sie sich juristisch etwas zu Schulden haben kommen lassen, wird wie im Fall der anderen Millionäre noch zu prüfen sein. Moralisch aber gelten für Politiker andere Maßstäbe. Für sie ist schon der Verdacht vernichtend, Steuerzahlungen zu umgehen. So haben die Panama-Papiere denn auch eine andere Qualität als die Veröffentlichung von Datenquellen zuvor: Die Liste der betroffenen Staatschefs und Prominenten ist zu lang, als dass man einfach zur Tagesordnung übergehen könnte. Die Hoffnung aber, dass sich angesichts einen undurchschaubaren Gewirrs von nationalen Steuerregeln auf internationaler Ebene schnell etwas bewegt, ist gering.

Darum sind die Datenleaks am Ende so bedeutend: Sie führen zu einer erheblichen Verunsicherung bei jenen, die ihr Geld auf immer weiter entfernte Konten transferieren. Europa ist dank eines neuen Datenaustausches der Behörden und dank diverser Daten-CDs kein sicherer Hafen für heimliches Geld mehr. Die Globalisierung bietet Lösungen, schafft aber auch neue Risiken: Wie schon bei Offshore-Leaks sind nun auch bei den Panama-Papieren gewaltige Datenmengen auf dem Markt.

Dass das Material wohl illegal beschafft wurde, stört letztlich niemanden so recht. Schon bei den Steuer-CDs aus der Schweiz haben die Verfassungsgerichte in Deutschland entschieden, dass der Zweck die Mittel heiligt. Die Autoren der Panama-Papiere gehen zudem höchst verantwortungsvoll mit ihrem Material um: Da werden nicht wahllos Daten auf den Markt geworfen, sondern sorgsam Fakten und Namen überprüft, Geschichten geschrieben und Zusammenhänge entwickelt. Es ist eine Enthüllungsgeschichte im besten Sinn — und solange die Steuerschlupflöcher weltweit nicht wirklich gestopft sind, sorgt der öffentliche Pranger immerhin für ein wenig Gerechtigkeit.

LN

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