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Eine Überdosis an Feier-Tagen?

Lübeck wird mit einem weiteren Kulturfest gesegnet. Eine Überdosis an Feier-Tagen?

Lübeck scheint dem Ideal der Freizeitgesellschaft entgegenzustreben — jede Woche ein Festival, jeder Tag ein Feiertag. Und alles mit Kultur überzuckert.

L�beck. Lübeck scheint dem Ideal der Freizeitgesellschaft entgegenzustreben — jede Woche ein Festival, jeder Tag ein Feiertag. Und alles mit Kultur überzuckert. Man wird in der Stadt regelmäßig aufgerufen, zum Brahms-Festival der Musikhochschule zu streben, soeben ist das Internationale Kammermusikfest vorbeigerauscht, das große Schleswig-Holstein Musikfestival erscheint bereits am Horizont, davor will noch dessen kleiner Ableger Jazz Baltica draußen an der Ostsee besucht werden. Es wird wieder ein Trave- Jazz-Festival im September geben, und nicht vergessen: die Buxtehude-Tage in der Marienkirche und die Lübecker Sommeroperette. Die Nordischen Filmtage sind Anfang November Pflicht. Dazu gibt es die langen Nächte der Museen und der Theater. Eine Aufzählung ohne Gewähr auf Vollständigkeit.

 

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Von Michael Berger

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Jetzt drängt sich auch noch das Hansekulturfestival dazwischen, in zwei Wochen drohen in der nördlichen Altstadt drei Feier-Tage mit 300 Programmpunkte an 85 verschiedenen Veranstaltungsorten — alle Kultursparten, dazu die übliche Speisung der 250 000 (so viele Besucherinnen und Besucher werden bei gutem Wetter erwartet). Braucht Lübeck das? Braucht die Region ein weiteres Kulturfest, auf dem, wenn man das bisher vorliegende Programm anschaut, vor allem die lokalen und regionalen Kulturschaffenden den Ton angeben?

Die Antwort ist ein vorläufiges Ja. Wenn sich alles bewahrheitet, was sich Christian Martin Lukas, Geschäftsführer der Lübeck und Travemünde Marketing GmbH (LTM), und seine Mitstreiterinnen vorgenommen haben, dann wird das Hansekulturfestival eine Qualität haben, die in verklärter Vergangenheit angeblich das Altstadtfest auszeichnete — es wird ein Bürgerfest sein. Von Lübeckern für Lübecker (und alle, die an den drei Tagen Lübecker sein wollen). Lukas konnte immerhin eine ganze Reihe Anwohner von Gängen und Höfen begeistern. Und vermutlich kommt kaum ein Besucher oder Einheimischer je so locker und ohne Schwellenangst mit anspruchsvoller Bildender Kunst (offene Ateliers), mit experimenteller Lyrik (Poetry Slam) oder mit dünnen und dicken Büchern (Literatur- und Wissenschaftsreihe) in Berührung.

Alles, was die Menschen zusammenbringt und sie vom einsam machenden digitalen Kosmos fernhält, ist heute ein begrüßenswertes Vorhaben — es schafft Heimat. Die Stadt hat in jüngster Vergangenheit beweisen, dass sie das kann, der Hansetag 2014 war mit 500000 Besuchern ein Identität stiftendes Ereignis für ganz Lübeck und die Ostseeküste.

Feierei und Kulturanstrengungen dürfen nur nicht zu Gewaltmärschen ausarten, ein Festival ist ja kein Müßiggang. Um es hochkulturell auszudrücken: „Wenn alle Tage im Jahr gefeiert würden, wäre Spiel so lästig wie Arbeit“, heißt es in William Shakespeares Drama „König Heinrich IV.“.

LN

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