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Eine Vision entwickeln

Die Welt von heute stellt uns vor neue Aufgaben. Eine Vision entwickeln

Ein neues Jahr beginnt, 2015 liegt hinter uns. Doch es lässt mich noch nicht los. Weil es so vieles erschüttert hat. Aber auch aufgerüttelt. Alte Sichtweisen etwa.

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Von Bischöfin Kirsten Fehrs

Ein neues Jahr beginnt, 2015 liegt hinter uns. Doch es lässt mich noch nicht los. Weil es so vieles erschüttert hat. Aber auch aufgerüttelt. Alte Sichtweisen etwa. Mir ist klar geworden: Die Welt ist klein geworden wie nie zuvor. Es gibt kein „die dort“ und „wir hier“ mehr. Was in fernen Ländern wie Syrien oder Afghanistan geschieht, hat unmittelbare Auswirkungen bis in unsere Städte und Dörfer hinein. Grenzen verlieren an Bedeutung. Das galt bislang schon für das Weltklima und für globale Waren- und Kapitalströme. Nun gilt es auch für Menschen — hoffentlich. Denn weil sie im Krieg um ihr Leben fürchten müssen oder nicht genug Wasser und Brot haben, stehen sie nun „hier“ vor unserer Tür.

Vielen Menschen macht diese Entwicklung Angst. Auch weil die Veränderungen so schnell geschehen, dass kaum Zeit bleibt, darüber nachzudenken. Andererseits ist die Globalisierung nicht einfach umkehrbar. Es ist dran, dass wir uns Zeit nehmen, um eine Vision für die Zukunft zu entwickeln. Ideen, die über das Jetzt hinausdenken und die ein Bild davon geben, wohin es gehen soll. „Ein Volk ohne Vision geht zugrunde“, so hat es die Theologin Dorothee Sölle einmal geschrieben.

Also: Wie wollen wir künftig in diesem Land, in diesem Europa und in dieser Welt leben? Uns Christen ist diese Frage eigentlich nicht neu. Denn das Christentum ist eine der ersten Globalisierungsbewegungen der Welt. Glaube, Liebe, Hoffnung wurden immer grenzüberschreitend gedacht und gelebt. Die Herkunft und die eigene Kultur waren unwichtiger als die gemeinsame Vision. „Wir sind Gottes Kinder. Aber es ist noch nicht erschienen, was wir sein werden.“ So heißt es im 1. Johannesbrief unserer Bibel.

Ich wünsche mir vom neuen Jahr, dass wir als Gesellschaft eine solche Vision entwickeln. Wie kann Integration gelingen, welche Voraussetzungen braucht es? Was bieten wir den Menschen an, die zu uns kommen — und was erwarten wir von ihnen? Neben aller praktischen Nächstenliebe und der Bewältigung von Unterbringung und Alltagsfragen brauchen wir diese Diskussion. Wir sollten uns dafür Zeit nehmen.

LN

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