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Eine Wahl für Lübecks Geschichtsbücher

LEITARTIKEL Eine Wahl für Lübecks Geschichtsbücher

Der letzte Gong in diesem Wahljahr: In Lübeck geht es heute um die Macht im Rathaus. Kathrin Weiher oder Jan Lindenau? Steht erstmals eine Frau an der Spitze der Hansestadt?

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Von Gerald Goetsch

Der letzte Gong in diesem Wahljahr: In Lübeck geht es heute um die Macht im Rathaus. Kathrin Weiher oder Jan Lindenau? Steht erstmals eine Frau an der Spitze der Hansestadt? Oder schafft es ein 38-Jähriger, als jüngster Verwaltungschef in Lübecks Geschichtsbücher einzugehen? Nehmen – wie bei der letzten Stichwahl vor sechs Jahren – wieder nur ein Drittel der Lübecker an der Wahl teil? Das Drehbuch könnte nicht spannender sein.

„Ein deutliches Plus an Konsensfähigkeit würde der Hansestadt gut bekommen. Die neue Chefin – oder der neue Chef – muss also moderieren können.

Geht es um die Performance der Kandidaten, dann hätte der heutige Urnengang eine hohe Beteiligung verdient. Beide Bewerber haben alles gegeben, unzählige Auftritte absolviert, Hände geschüttelt, Klinken geputzt und bis gestern Überzeugungsarbeit geleistet. Vor allem aber bot ihr Wahlkampf mehr inhaltliche Auseinandersetzungen als Landtags- und Bundestagswahl zusammen. Ein mangelhafter Bürgerservice, Dauerstau auf den Straßen, unflexible Kita-Zeiten, knapper Wohnraum, die hohen Schulden, der unendliche Streit im Hafen. Der Wahlkampf hat Lübecks große Baustellen offengelegt. Wer auch immer in Bernd Saxes Fußstapfen tritt: Ein Zuckerschlecken wird das nicht.

Vordergründig geht es um zwei Personen. Vor allem aber standen sich zwei Lager gegenüber. Die SPD, die seit 18 Jahren den Bürgermeister stellt, gegen einen großen Teil der Bürgerschaft. Das bunte Links-Mitte-Rechts-Bündnis hat gehalten. Auch das haben viele Beobachter nicht für möglich gehalten. So unterschiedlich die Positionen in diesem Lager, so einig ist man sich offenbar in der Analyse, dass Lübeck einen Wechsel braucht. Einen „echten Wechsel“, wie Kathrin Weiher zuletzt plakatieren ließ. Denn auch der junge SPD-Kandidat verspricht einen Kurswechsel im Rathaus.

Beiden Bewerbern ist das Amt zuzutrauen. Ein Umdenken braucht Lübeck aber vor allem in der Bürgerschaft. Schon eine gefühlte Ewigkeit fehlen dort stabile Mehrheiten. Ohne die kann auch ein Bürgermeister – oder eine Bürgermeisterin – nicht viel bewegen. Es ist die gegenseitige Blockade, die in Lübeck viel Fortschritt verhindert hat.

Nun kann man Kommunalpolitikern nicht vorwerfen, dass sie für die Interessen ihrer Partei oder ihrer Wählergemeinschaft streiten. Ein deutliches Plus an Konsensfähigkeit würde der Hansestadt dennoch gut bekommen. Die neue Chefin – oder der neue Chef – muss also moderieren können. Zumal nur fünf Tage nach dem Amtsantritt am 1. Mai die Kommunalwahl 2018 ins Haus steht.

Sicher ist bis heute um 18 Uhr nur eines: Wer nicht wählen geht, sollte sich anschließend nicht über schlechte Kommunalpolitik beklagen. Die lebt nämlich von der Teilnahme aller Bürger. Und wenn es nur ein kleines Kreuz ist.

LN

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