Volltextsuche über das Angebot:

10 ° / 6 ° Sprühregen

Navigation:
Erdogan bleibt - Ob er aus dem Putsch lernt, ist zu bezweifeln

Kommentar Erdogan bleibt - Ob er aus dem Putsch lernt, ist zu bezweifeln

Unser Redakteur hofft, dass die Erfahrung des Putschversuchs Erdogan zu Demut vehilft. Wahrschein sei das aber nicht. Die Revolte dürfte seinen Rückhalt in der türkischen Bevölkerung gewaltig stärken.

Voriger Artikel
Frankreich, das gespaltene Land
Nächster Artikel
Gruß nach Digitalien

Ein Kommentar von Lars Fetköter

Es waren Demonstranten, die den türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan gerettet haben. Unbewaffnete Menschen, die ihr Land lieben, haben sich den Panzern der Putschisten in den Weg gestellt.

Einige von ihnen haben das mit dem Leben bezahlt. Sie haben damit eben jenem Mann geholfen, seine Regierungsgewalt zurückzuerlangen, der in den vergangenen Jahren auf Demonstranten einprügeln ließ, wenn ihm deren Motive nicht passten.

Für einige Stunden ist der Machtmensch Erdogan abgeschnitten von den Werkzeugen seiner Herrschaft. Teile der Armee bringen Flughäfen, Straßen und Medien unter ihre Kontrolle, setzen Militärführer fest und rufen das Kriegsrecht aus. In dieser Stunde macht sich Erdogan ausgerechnet jene Mittel zunutze, die ihm bei kritischen Landsleuten ein Dorn im Auge sind: Smartphone und Social Media.

Noch während die Putschisten verbreiten, die Türkei sei unter ihrer Kontrolle, verbreitet Erdogan über Twitter den Aufruf, auf die Straße zu gehen: „Ich lade mein Volk ein, Verantwortung zu übernehmen und im Namen der Demokratie und der nationalen Überzeugung die öffentlichen Plätze und Flughäfen zu besetzen.“ Er ruft mit seinem Mobiltelefon beim Fernsehsender CNN Türk an und wendet sich ans Volk, nicht stolz hinter seinem Rednerpult, sondern über das wackelige Display eines Handys, das die Moderatorin in die Kamera hält.

Die leise Hoffnung ist, dass diese Erfahrung dem Präsidenten zu ein wenig Demut verhilft. Erdogan könnte aus den Momenten der Ohnmacht lernen, die Kraft friedlicher und unbewaffneter Demonstranten zu schätzen. Er könnte einsehen, dass ein Twitter-Verbot, wie er es vor zwei Jahren verfügt hat, der Freiheit der Gedanken nicht beikommen kann.

Wahrscheinlich ist das nicht. Bisher hat Erdogan noch jede Möglichkeit ergriffen, seine Machtfülle zu vergrößern und seine Kritiker ruhigzustellen. Die ersten Konsequenzen am Tag nach dem Putschversuch stützen diese These: Erdogan enthebt nicht nur unliebsame Militärs ihrer Posten, er lässt auch 3000 Richter absetzen. Die binnen Stunden niedergeschlagene Revolte dürfte seinen Rückhalt in der türkischen Bevölkerung, der ohnehin größer ist, als wir im Westen wahrhaben wollen, gewaltig stärken.

Machen wir uns nichts vor, bei aller Skepsis gegenüber dem Machtmenschen Erdogan: Er ist ein von der Mehrheit der Türken gewählter Präsident. Er hat die wirtschaftliche Lage während seiner Regentschaft als Ministerpräsident deutlich verbessert. Das Volk folgt ihm und will ihn, jedenfalls zum großen Teil, das hat es in der Nacht des Putsches bewiesen.

Die Militärs, die Erdogans Herrschaft beenden wollten, haben sich auf „Wiederherstellung der verfassungsmäßigen Ordnung, Demokratie und Menschenrechte“ berufen. Das mag manchem eine verstohlene Hoffnung bereitet haben, dem Erdogans Regime zuwider ist. Aber Panzer und Kampfjets sind für einen solchen Wechsel der falsche Weg.

Ein Kommentar von Lars Fetköter

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Sonntagsreden

Von Börse bis Fußballplatz - Blogs unserer "Edelfedern".

Kommentar

Bissig, polemisch, kontrovers: Kommentare aus den LN.

Sollten die Weihnachtsmärkte länger geöffnet haben?

Reporter vor Ort

In einer fortlaufenden Galerie zeigen wir Ihnen jeden Tag die wichtigsten Bilder aus Lübeck und den umliegenden Kreisen. An dieser Stelle finden Sie die Galerie für den November 2016.