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Fachkräftemangel bietet auch große Chancen

LEITARTIKEL Fachkräftemangel bietet auch große Chancen

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Von Nick Vogler

Es ist die Zeit des großen Schulterzuckens: „Die Heizung leckt?“ – „Unsere Monteure sind ausgelastet.“ Und es sind Zeiten des Bedauerns: „Ihr Dach muss dringend gedeckt werden?“ – „Dafür haben wir erst in der warmen Jahreszeit Termine.“ Es sind auch Zeiten, in denen Ängste entstehen: Dem Pflegedienst fehlen Leute, wer hilft meinen bedürftigen Angehörigen, wenn ich mich nicht selbst kümmern kann? Die Situation auf dem Arbeitsmarkt verschärft sich in eine Richtung, die Firmeninhabern aller Branchen Sorgenfalten auf die Stirn treibt. Es gibt kein einfaches „Weiter so“. Ideen sind gefragt – und daraus entstehen viele neue Chancen.

„Wo die Lage früher für die Arbeitnehmer prekär war, sind jetzt die Arbeitgeber in der Pflicht. Personal zu werben und zu halten ist dabei nicht nur eine Sache des Geldbeutels.

Vor Jahren wurden Jobexperten noch belächelt, wenn sie vor der Situation warnten, vor der wir heute stehen. Für viele Arbeitslose und von Arbeitslosigkeit Bedrohte klang der Hinweis auf den kommenden Fachkräftemangel wie Hohn. Jetzt sind die Arbeitsmarktzahlen gut wie nie seit Anfang der 90er Jahre. Mancherorts kann man fast von Vollbeschäftigung reden. Das bedeutet aber auch: Wenn jemand im Betrieb ausfällt, weggeht, aufhört, ist kaum Ersatz zu bekommen. Das stärkt das Selbstbewusstsein der Arbeitnehmer.

Plötzlich sind sie wieder etwas wert, die über 50-Jährigen, die früher zu Unrecht schnell zum alten Eisen gezählt und aussortiert wurden. Jetzt sind Firmen gut beraten, gerade das Personal mit großer Erfahrung zu pflegen und zu halten – sonst freut sich die Konkurrenz und schnappt sie weg.

Auch für Auszubildende und Berufseinsteiger verbessert sich die Lage. Die Chancen steigen, nach der Lehre übernommen zu werden und im Unternehmen der eigenen Wahl Karriere zu machen. Das motiviert im besten Fall auch zu höheren Leistungen und bringt Gewinn für alle Beteiligten.

Wo die Lage früher für die Arbeitnehmer prekär war, sind jetzt die Arbeitgeber in der Pflicht. Personal zu werben und zu halten, ist dabei nicht nur eine Sache des Geldbeutels. Kleine Firmen können nicht mal eben einen großen Schein aufs Gehalt drauflegen. Aber sie können eine Atmosphäre schaffen, die den Arbeitnehmern zugute kommt. Gleitende Arbeitszeit, mehr Freizeit, vielleicht Extra-Urlaubstage, Zuschüsse zum Kurs im Fitnesscenter, ein Dienstmoped oder Dienstwagen für den Lehrling oder Mitarbeiter mit weiter Anreise. Vieles ist möglich, was früher undenkbar war. Und manche solche Gesten von Firmen bedeuten den Angestellten mehr als die Prämie am Jahresende.

Schon jetzt, und auch das ist eine gute Nachricht, nimmt das Argument Fachkräftemangel denen Wind aus den Segeln, die gegen Flüchtlinge hetzen. Es ist keine ferne Zukunft, sondern längst Realität: In allen Branchen werden Leute gesucht. Wir sollten uns über Menschen, die hier leben und arbeiten wollen, freuen. Und sie bei der Integration nach Kräften unterstützen.

LN

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