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Ferien in Travemünde: Die Kunst des Loslassens

LEITARTIKEL Ferien in Travemünde: Die Kunst des Loslassens

Fröhlich feiern am Ostseestrand: Seit diesem Wochenende ist Travemünde wieder für zehn Tage der Hotspot der norddeutschen Küste.

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Von Lars Fetköter

Fröhlich feiern am Ostseestrand: Seit diesem Wochenende ist Travemünde wieder für zehn Tage der Hotspot der norddeutschen Küste. G-20-Krawall, Terror-Jahrestage, Türkei-Krise – auf Europas zweitgrößter Segelparty ist von all dem wenig zu spüren.

„Während das Außenministerium

an das Risiko von Türkei-Reisen erinnert, gibt es in Richtung Ostsee allenfalls Reisewarnungen

aus dem Verkehrsstudio.

Auch die Personenschützer von Schleswig-Holsteins frischgebackenem Ministerpräsidenten Daniel Günther, der erstmals die Travemünder Woche besuchte, sind entspannt und ohne Argwohn. Bei Günthers Abstecher in unser Medienzelt standen zwei Bodyguards vor ihrem Chef, verfolgten wippend den Tanz der Hip-Hop-Mädels auf der Bühne und ließen den Rücken des Landesvaters unbewacht.

Der ist nach Wahlkampf und Jamaika-Verhandlungen ab heute selbst im Urlaub. Nicht in Schleswig-Holstein, sondern in Österreich. Er wolle, sagt er, seiner Frau und seinen Kindern etwas von der Zeit wiedergeben, die er ihnen in den vergangenen Monaten entzogen hat. Dafür erntet er bitteren Spott von Oppositionsführer Ralf Stegner, der der Regierung zum Start Tatenlosigkeit vorwirft – und damit maßlos überzieht. Loslassen verboten? Natürlich darf sich ein Landeskabinett nicht wochenlang auf die faule Haut legen. Aber wo leben wir denn, wenn ein Politiker nicht drei oder vier Wochen im Sommer mit seiner Familie daran arbeiten darf, dass die Entfremdung durch den aufzehrenden Job nicht zu groß wird? Hat nicht gerade ein Ministerpräsident und Parteifreund Stegners das Scheitern seiner Ehe durch eine solche Entfremdung eingestanden? Hier sucht der SPD-Landeschef nach seiner neuen Rolle.

Urlaub muss sein. Kaum eine Gegend weiß das so gut wie die Lübecker Bucht. Und kaum eine Region hat so viel Nutzen davon. Die Bäder Schleswig-Holsteins steuern trotz des sprunghaften Wetters auf eine neue Rekordsaison zu. Ehrlicherweise muss die Tourismusbranche hier zugeben, dass sie von der verunsicherten Weltlage profitiert. Während das deutsche Außenministerium an das Risiko von Reisen in die Türkei erinnert, gibt es in Richtung Travemünde allenfalls Reisewarnungen aus dem Verkehrsstudio, wenn wieder mal „ein Liegenbleiber“ die Autoschlangen in der Schwartauer A-1-Baustelle zum Stillstand zwingt.

Friedlich feiern in Travemünde, fröhlich urlauben im echten Norden, das sollte jedem als Kraftquelle gegönnt sein, der sich in Job und Alltag aufreibt. Die Kunst, loszulassen, ist hier leichter zu erlernen als anderswo. Auch die Gräben in der Landespolitik können zuwachsen: Ausgerechnet Spötter aus CDU und FDP, die in der Opposition über den Slogan gelästert haben, räumen jetzt ein, dass „Der echte Norden“ ein kerniger und erfolgreicher Begriff für das geworden ist, was Land und Leute zwischen Nord- und Ostsee ausmacht.

LN

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