Volltextsuche über das Angebot:

20 ° / 12 ° Regenschauer

Navigation:
Fußball als Chance

„Europa lebt“ – das könnte die Botschaft der EM 2016 werden. Fußball als Chance

Manchmal entpuppt sich der Zufall als genialer Regisseur. Ausgerechnet in die winzige Pause, die sich die Fußball- EM in Frankreich nach den Gruppenspielen gönnte, ...

Manchmal entpuppt sich der Zufall als genialer Regisseur. Ausgerechnet in die winzige Pause, die sich die Fußball- EM in Frankreich nach den Gruppenspielen gönnte, platzte die Nachricht vom EU-Austritt Großbritanniens. Keine 48 Stunden lang ruhte das Spielgeschehen in jenem Turnier, in dem es um den vielleicht wichtigsten sportlichen Titel Europas geht – und genau da wurde der Kontinent gespalten in jene, die der EU den Rücken stärken, und die, die ihr den Rücken kehren.

 

LN-Bild

Von Uwe Nesemann

Quelle:

So wird es nun also ernst, im Turnier ebenso wie in der Politik. Europa wird plötzlich auf zwei Bühnen bespielt. Kurios: Im Sport, wo man sich hart, aber nach festen Regeln bekämpft, gibt es noch den übergeordneten Zusammenhalt. Beim Brexit hingegen, wo Politiker jeglicher Couleur gequält Gelassenheit heucheln, bröckelt der Überbau. Europas Fassade hat einen Riss bekommen, das Fundament schwankt.

Ob sich irgendetwas davon auf das Turnier der besten Teams des Kontinents niederschlägt, muss man abwarten. Sehr wahrscheinlich ist es zwar nicht, aber völlig spurlos wird der Gewitterdonner von der Insel auch an den Spielern und Betreuern nicht vorbeigegangen sein.

Und leider auch nicht an denen, die man oft zu Unrecht mit der Vokabel „Fans“ bedenkt, obgleich der Begriff „Hooligans“ viel treffender wäre. Diese Schlägertrupps haben schon vor dem Votum der Briten bei dieser EM Krawall gemacht, als sie das Turnier als Bühne für ihre krankhaften Gewaltausbrüche missbrauchten. Die bange Frage lautet: Birgt der britische EU-Austritt neuen Zündstoff, der sich auf den Tribünen entlädt? Unbegründet sind solche Sorgen nicht. Aber vielleicht kommt ja alles ganz anders. Vielleicht werden wir in den kommenden Tagen Zeugen eines trotzigen Aufbegehrens. Und vielleicht entpuppt sich die Europameisterschaft im Schatten des Brexit ja sogar als eine Art Kitt für einen angeschlagenen Kontinent, gewissermaßen als das bessere Europa.

Gegeneinander spielen, miteinander feiern – das klingt platt, ist aber von verblüffender Strahlkraft, auf dem Platz wie auf den Tribünen und den zahllosen Public-Viewings überall in Europa. Sagen wir es rund heraus: Kein einziges der vielen Probleme dieses Erdballs wird je auf dem Fußballplatz gelöst. Aber der Sport kann Zeichen setzen, positive wie negative. Und er erreicht bei dieser EM ein Milliardenpublikum – das kann man gerne auch als Chance sehen.

Dem TV-Moderator Alexander Bommes entschlüpften dieser Tage die herrlich sinnlosen Worte von der „anderen Kehrseite der Medaille“. Darüber kann man schmunzeln, aber man kann sich auch daran festhalten. Fußball und Brexit haben viele Facetten. Aber nur der Sport hat derzeit noch ein paar erfreuliche Botschaften im Köcher. „Europa lebt“ wäre so eine – vielleicht die beste von allen.

Berichte Seiten 1 bis 3 und im Sport ab Seite 11

LN

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Kommentar
Sonntagsreden

Von Börse bis Fußballplatz - Blogs unserer "Edelfedern".

Kommentar

Bissig, polemisch, kontrovers: Kommentare aus den LN.

Machen Ihnen Terror-Anschläge, wie der jüngste in Barcelona, Reiseangst?

Reporter vor Ort

In einer fortlaufenden Galerie zeigen wir Ihnen jeden Tag die wichtigsten Bilder aus Lübeck und den umliegenden Kreisen. An dieser Stelle finden Sie die Galerie für den Juli 2017.