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Gegenwind für den roten Rambo

LEITARTIKEL Gegenwind für den roten Rambo

Was haben Donald Trump und Ralf Stegner gemeinsam? Politisch trennen den US-Präsidenten und Schleswig-Holsteins SPD-Landeschef Welten.

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Von Gerald Goetsch

Was haben Donald Trump und Ralf Stegner gemeinsam? Politisch trennen den US-Präsidenten und Schleswig-Holsteins SPD-Landeschef Welten. Und ganz so mächtig wie der Mann im Weißen Haus ist der „rote Rambo“ aus Bordesholm dann doch noch nicht. Beide aber lieben den Kurznachrichtendienst Twitter. Ralf Stegner sorgt dort für gute Unterhaltung, was in der Vergangenheit auch den einen oder anderen Tweet ins Fettnäpfchen erklären mag. Fast jeden Morgen versorgt der SPD-Landeschef seine Fangemeinde mit Musiktipps. Am Freitag empfahl er „Against the Wind“ von Bob Seger.

„ Stegners Stärke ist gleichsam seine große Schwäche: Der Mann polarisiert wie kein anderer. Viel Feind, viel Ehr! Aber so gewinnt man noch

lange keine Wahlen.

Gegenwind bekommt Stegner in der Tat. Und zwar so viel wie schon lange nicht mehr. Seit zehn Jahren steht der Harvard-Absolvent an der Spitze der Nord-SPD. Und mit der stolzen Partei aktuell tief im Jammertal. Gerade mal 27,2 Prozent der Stimmen bei der Landtagswahl. Man sieht es Stegner an, wie sehr ihn das persönlich angeht.

Zumindest die Landtagsfraktion steht hinter dem Chef. Einstimmig wählten sie ihn nach dem Debakel vom 7. Mai als Fraktionschef. Geschlossenheit demonstrieren! Eine trotzige Reaktion. An der Basis rumort es dennoch, eine echte Revolte ist aber nicht in Sicht. Es sind noch Einzelstimmen, die Stegners Rücktritt fordern. Und die eines Ex-Innenministers, der freiwillig aus Albigs Dunstkreis ausgeschieden war.

Nun hat es Albig kalt erwischt. Stegner, den nicht wenige ebenso für die Wahlschlappe verantwortlich machen, hat überlebt. Er ist rhetorisch brillant. Der 57-Jährige ist einer der bundesweit bekanntesten Genossen und lässt keine Talkshow aus. Als stellvertretender Bundesvorsitzender, Kieler Fraktionschef und Landeschef steht er nun ganz allein an der Spitze der Nord-SPD. Stegner hat genug Macht, um die Kritik aus den eigenen Reihen zu überstehen. Er hat die Partei hinter sich gebracht und sie im linken Spektrum der Landesverbände positioniert. Das hat durchaus Tradition im Norden. Doch Stegners Stärke ist gleichsam seine große Schwäche: Der Mann polarisiert wie kein anderer. Es gab in diesem Wahlkampf den Werbespot einer Splitterpartei, dessen Inhalt sich weitgehend in Beschimpfungen gegen den SPD-Genossen erschöpfte. Viel Feind, viel Ehr! Aber so gewinnt man noch lange keine Wahlen.

Vieles spricht dafür, dass nun Jahre der Oppositionsarbeit bevorstehen. Ralf Stegner wäre gut beraten, dem Nachwuchs eine Chance zu geben. Die Sozialdemokraten brauchen neue Visionen jenseits abgenutzter Gerechtigkeit-Slogans. Daniel Günther hat es in der CDU vorgemacht, wie man einem desolaten Haufen in kurzer Zeit wieder zu Selbstbewusstsein verhilft. Auch die SPD braucht neue Gesichter.

LN

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