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Gewalt in unseren Köpfen

Was treibt einen Jugendlichen zu solch einer Tat? Gewalt in unseren Köpfen

Es war der zweite „schwarze Freitag“ in Folge: Nach dem Putsch in der Türkei in der Vorwoche begann das Wochenende diesmal mit dramatischen Nachrichten aus Deutschland.

Es war der zweite „schwarze Freitag“ in Folge: Nach dem Putsch in der Türkei in der Vorwoche begann das Wochenende diesmal mit dramatischen Nachrichten aus Deutschland. Die Münchner Behörden gingen zunächst von einem Terrorangriff aus. Wir wissen jetzt: Es war keine politisch motivierte Tat, sondern ein Amoklauf, der neun unschuldige und wehrlose Menschen das Leben kostete. Die Nacht von München zeigt zudem, wie tief uns Terror und Gewalt verunsichern.

 

LN-Bild

Von Gerald Goetsch

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Die Bilder von Nizza und die Nachricht des blutigen Angriffs in einem Würzburger Regionalzug waren noch frisch. Auch deshalb reagierten viele Münchner in dieser Nacht so panisch. Auch deshalb kam es zu vorschnellen Analysen, die sich über das Internet rasend schnell verbreiteten.

Noch bevor die Polizei die Lage unter Kontrolle brachte, kursierten bereits Videos vom Tatort. Jeder, der ein Smartphone besaß, konnte kurz nach den Schüssen mit ansehen, wie der offenbar psychisch kranke junge Mann wahllos auf seine Opfer feuerte. Erstaunlich viele Handynutzer hielten auch dann noch drauf, als sie längst selbst in Gefahr gerieten, Opfer der Gewalttat zu werden. Die Faszination der Live-Postings scheint grenzenlos. Der Appell der Polizei, während des Einsatzes keine Bilder von Tatorten einzustellen, blieb ungehört.

Die schreckliche Tat von Freitagabend reiht sich ein in die Amokläufe von Winnenden und Erfurt. Nach ersten Erkenntnissen der Ermittler hatte sich der junge Täter intensiv über Amokläufe informiert.

Er soll sich viel mit Computer-Ballerspielen beschäftigt und den Attentäter des Amoklaufs von Winnenden verherrlicht haben. Was auch immer den 18-Jährigen zu seiner wahnsinnigen Tat getrieben hat – wie in Erfurt und Winnenden werden Fragen offen bleiben. Und die Angst vieler Menschen wächst, dass sich die Spirale von Gewalt und Terror immer schneller dreht. Am Freitagabend lähmte diese Angst eine ganze Großstadt.

Die Furcht um die persönliche Sicherheit hat längst eine politische Dimension. Die Polizeigewerkschaft legte gestern erneut den Finger in die Wunde. Weil vielerorts Ausrüstung und Planstellen fehlen.

Tatsächlich kann es nicht sein, dass diejenigen, die im Ernstfall Gewalt und Terror auf den Straßen bekämpfen sollen, nicht ausreichend ausgerüstet sind. Der Staat ist in der Pflicht, jeden Zweifel daran auszuräumen. Schon aus Fürsorgepflicht gegenüber seinen Bediensteten. Zudem ist es in Deutschland offenbar immer noch zu leicht, sich eine scharfe Waffe zu besorgen.

Sicher ist leider auch: Gegen den Wahnsinn einzelner Täter gibt es keinen hundertprozentigen Schutz. Und doch lohnt die Debatte, wie sehr wir uns schon an Darstellungen von extremer Gewalt gewöhnt haben und was das mit Menschen machen kann. Berichte Seiten 1 bis 3

LN

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