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Hungersnot im Afrika: Eine Katastrophe bahnt sich an

Kommentar Hungersnot im Afrika: Eine Katastrophe bahnt sich an

Da sind sie wieder, diese Bilder von den Menschen mit den streichholzdürren Beinen, den hohlen Wangen, den leblosen Augen und, fast immer, der schwarzen Haut. Der Hunger meldet sich zurück in Afrika. Können wir uns die nötige Hilfe nicht mehr leisten?

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Von Susanne Iden

Alle, die es wissen müssen, haben gewusst, dass es so kommen wird. Gewappnet sind sie nicht, sind nicht vorbereitet darauf, 45 Millionen Menschen vor einer Hungersnot zu bewahren. Im Osten und Süden Afrikas bahnt sich womöglich die eine Katastrophe an, die endgültig die Kräfte der internationalen Gemeinschaft übersteigt.

Schuld ist erst einmal die Natur. El Niño, das unberechenbare Wetter-Phänomen, bringt in diesem Jahr die schlimmste Dürre seit 30 Jahren nach Äthiopien, nach Somalia, Südsudan, Simbabwe. Die Felder liegen brach, die Rinder verdursten, die Menschen haben ihre Vorräte aufgebraucht. Mindestens bis Juli, sagen Experten, wird der heiße Atem von El Niño über den Äckern und Weiden liegen. In Äthiopien sind schon jetzt 10,2 Millionen Menschen auf Nothilfe angewiesen, mehr als sechs Millionen Kinder sind in Gefahr, wegen Unterernährung Entwicklungsschäden zu erleiden, die sie nie wieder aufholen können.

Wer kann diesen Menschen noch helfen? Die eigene Regierung wohl kaum; fast überall dort, wo El Niño seine tödliche Spur legt, herrschen chaotische Zustände bis hin zum Bürgerkrieg — die erschöpften Menschen haben der Dürre nichts entgegenzusetzen. Das Versagen, das der Katastrophe den Boden bereitet, liegt bei den Machthabenden selbst. Aber sogar Äthiopien, gerade noch der hoffnungsvolle, gut organisierte Boomstaat Ostafrikas, muss angesichts der schieren Zahl der Bedrohten kapitulieren.

Bleiben also nur die UN, die Hilfsorganisationen, bleiben „wir“. Wer aber macht Kapazitäten frei — und wo? Das Welternährungsprogramm kämpft derzeit weltweit gegen vier „Level 3“-Krisen an: Die Lage der Zivilisten in Syrien, im Irak, Südsudan und Jemen ist in die höchste Kategorie eingeordnet. Die Programme aller einschlägigen UN-Organisationen sind schon jetzt unterfinanziert, weil Flucht, humanitäre und friedenssichernde Einsätze, Ebola oder Naturkatastrophen wie in Nepal selbst gutwillige Geber an ihre Grenzen bringen. Von den 1,2 Milliarden Dollar, die das Ernährungsprogramm allein für Äthiopien zur Überlebenshilfe bräuchte, ist nicht einmal die Hälfte beisammen, für Simbabwe und Südsudan sind die Zahlen ähnlich. Müssen wir uns schämen? Oder können wir uns Hilfe nicht mehr leisten?

Die Frage wird noch drängender werden. Auch wenn El Niño verweht, der Klimawandel wird in kommenden Jahrzehnten Hungersnöte begünstigen. Wenn Nord und Süd es nicht schaffen, die gefährdeten Regionen der Welt resistenter zu machen, wird Katastrophenhilfe irgendwann nicht mehr finanzierbar sein. Pech für die, die im Süden leben?

Ein Kommentar von Susanne Iden

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