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Im Bann der Ringe

Trotz aller Skandale: Die Deutschen lieben diese Spiele. Im Bann der Ringe

Man kann nichts dagegen tun. Man wacht morgens auf und fürchtet, etwas verpasst zu haben.

Man kann nichts dagegen tun. Man wacht morgens auf und fürchtet, etwas verpasst zu haben. Seit gut einer Woche leben wir in einem Zustand sportlich-medialer Götterdämmerung, dauerberieselt im Schlagschatten der olympischen Ringe; manch einer gezeichnet von schlaflosen olympischen Nächten. Rio lässt grüßen.

 

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Von Uwe Nesemann

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Es sind mal wieder olympische Zeiten. Man könnte auch sagen, das seien jene Wochen, in denen wir stundenlang Wildwasserkanuten, Bogenschützen oder Synchronspringern bei ihrem Treiben zusehen – Sportarten also, von denen die meisten die Namen der Mitwirkenden nicht kennen, geschweige denn das genaue Regelwerk. Das verrät eine gewisse Distanz zu Logik oder gesundem Menschenverstand, aber wer fragt schon nach Logik? Olympia ist großes Kino, pure Emotion. Da ist es auch egal, dass viele Entscheidungen in den Nachtstunden fallen, wenn der Durchschnitts-Mitteleuropäer eigentlich Erholung im Nachtschlaf sucht. Natürlich könnte man den Fernseher auch früher abschalten – aber das ist wie mit einem langen Spaziergang: Könnte man mal wieder machen, macht man aber nicht.

Neu ist das alles nicht, die Älteren erinnern sich etwa an die Spiele in Los Angeles, als in Europa die Nacht zum Tage wurde, oder aber auch an Seoul, als die Zeitverschiebung dazu führte, dass man schon morgens um halb vier Medaillen feiern konnte. Dennoch darf man festhalten, dass es diesmal anders ist. Es gab ja gute Gründe, mit einem maßvollen Interesse an den Spielen zu rechnen. Die Affäre um russisches Staatsdoping, der Wankelmut des IOC, Zika-Epidemie, die miserablen Zustände im olympischen Dorf oder das verseuchte Wasser im Segelrevier – das Renommee der Spiele hatte im Vorfeld gelitten. Doch dann war es wie immer: Der Freund des Fernseh-Sports verzeiht schnell, und die Einschaltquoten schossen auf gewohnt hohes Niveau. Schneller, höher, weiter.

Sinnigerweise litt das Interesse an den Spielen nicht einmal an einer anfangs unglaublichen deutschen Medaillen-Misere, auch in den Tagen, an denen sich Sportler mit dem Bundesadler auf der Brust dezent vom Siegerpodium fernhielten, wurde zugeschaut. Vielleicht erzeugte deshalb die Goldmedaille der Reiter solch eine mediale Wucht. Das erste Gold für Deutschland wurde gefeiert, als wäre die Mauer ein zweites Mal gefallen.

Aber warum auch nicht. Olympia war stets die Zeit des harmlosen Patriotismus, Medaillenzählen ist Volkssport, dafür muss sich nun wirklich niemand schämen. Und wer fürchtet, das alles laufe in eine gefährliche Richtung, sei beruhigt: Die schönsten Augenblicke in Rio waren immer noch die Triumphe der Underdogs. Gold für Fidschi im Rugby – was für ein unvergessliches Erlebnis! Bitte mehr davon.

Eine Woche bleibt ja noch. Bericht ab Seite 23

LN

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