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Infantino muss in der Fifa eine neue Kultur durchsetzen.

Kommentar Infantino muss in der Fifa eine neue Kultur durchsetzen.

Die Reformen sind verabschiedet. Der neue Präsident — wieder ein Europäer — sitzt auf seinem Thron. Die unseligen Jahrzehnte unter der Herrschaft Sepp Blatters sind offiziell passé. Gianni Infantino steht jetzt in der Pflicht.

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Ein Kommentar von Sebastian Harfst.

Passé sind damit hoffentlich auch die Zeiten, in denen sich jeder Funktionär, der dreist genug war, die Taschen vollstopfen konnte. Der Fußball-Weltverband hat zumindest die ersten Voraussetzungen für eine neue Fußball-Funktionärswelt geschaffen. Es ist die Stunde null. Für den Lieblingssport der Welt, für das Milliardengeschäft Fußball kann es eigentlich nur aufwärts gehen.

Denn die beschlossenen Neuerungen lassen guten Willen erkennen. Jetzt dürfen sogar Frauen auf hohe Ämter hoffen. Nur mal so zum Vergleich: Auch in den Aufsichtsräten der deutschen Spitzen-Wirtschaft muss erst seit Beginn des Jahres eine Quote von 30 Prozent eingehalten werden. Da liegt der alte Männerbund Fifa gar nicht mehr so weit im Rückstand. Allein, um die etablierten Kumpelrunden aufzulösen, ist dieser Schritt richtig. Denn die Fifa braucht unbedingt neue Kompetenz von außen. Da Frauen bisher kaum eine Rolle gespielt haben, kommt diese nun von ganz allein hinein in das verkrustete Gebilde. Die neue Amtszeitbeschränkung für Spitzenfunktionäre soll zudem dafür sorgen, dass sich Krusten gar nicht mehr bilden. Ist das der Auftakt zu einer neuen Fifa-Kultur?

Auf dem Papier ja. Aber wie realistisch ist es, dass das neue System auf einen Schlag zum Musterbeispiel bei Transparency International wird? Zu lange gab es einfach zu viele Nutznießer. Wie realistisch ist es, dass die bisherigen Nutznießer plötzlich auf die Chance zur Selbstbereicherung verzichten? Bisher war ihnen der eigentliche Grund ihres persönlichen Engagements - nämlich der Fußball - schließlich auch herzlich egal. Und vor allem: Wie realistisch ist es, dass unter dem neuen Präsidenten Gianni Infantino eine neue Kultur entsteht? Der Schweizer steht seit August 2000 in Diensten des Europäischen Fußball-Verbandes Uefa. Er hat fast die gesamte Karriere in einem verseuchten System verbracht. Bis es nicht mehr anders ging, hat er seinen gesperrten Präsidenten Michel Platini gestützt. Als Reformer ist er nie aufgefallen.

Die Gefahr von Korruption besteht zudem fort: Denn Fifa-Entwicklungsprogramme wird es weiter geben, um dem Fußball in aller Welt Aufbauhilfe zu leisten. Das ist aller Ehren wert. Aber diese Programme sind anfällig. Denn wer soll überprüfen, ob der Fifa-finanzierte Kunstrasenplatz wirklich so teuer war, wie vom Nationalverband abgerechnet? Und wer soll illegale Geldflüsse vor der Entscheidung um die Vergabe einer Weltmeisterschaft verhindern?

Wirklich beantwortet wurden all diese Fragen noch nicht. Die Fifa hat aber immerhin ein schönes Motto: "Für den Fußball. Für die Welt." Gianni Infantino steht in der Pflicht, dieses Motto umzusetzen.

Ein Kommentar von Sebastian Harfst

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