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Ist Euroimmun-Chef Stöcker der ideale Investor?

Kommentar Ist Euroimmun-Chef Stöcker der ideale Investor?

Totgesagte leben länger. Nach zwei spektakulären Bruchlandungen mit ausländischen Investoren hatten nicht wenige den Lübecker Flughafen schon komplett abgeschrieben. Nun hat der Insolvenzverwalter doch noch einen neuen Geldgeber gefunden.

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Nicht in China oder Ägypten, sondern in der unmittelbaren Nachbarschaft, sozusagen direkt hinterm Flughafenzaun. Nach Chen Yongqiang und Mohamad Rady Amar wagt diesmal ein gestandener Unternehmer aus Groß Grönau den Einstieg in Blankensee.

Prof. Prof. h.c. Dr. Winfried Stöcker muss wissen, worauf er sich einlässt. Schon vor Jahren wollte er den Airport übernehmen. Der Unternehmer, der Euroimmun 1987 mit einer Handvoll Mitarbeiter gründete, ist mit seinen Labordiagnostika weltweit erfolgreich. Er beschäftigt mehr als 2000 Mitarbeiter, seine Firma expandiert ungebremst. Die Aussicht, auf dem Lübecker Rollfeld in den nächsten Jahren noch einige Millionen Euro zu versenken, scheint Stöcker nicht zu schrecken. Im Gegenteil.

Die Nachricht vom Einstieg des potenten Nachbarn in den finanziell am Boden liegenden Flughafen ist eine gute für Lübeck. Denn die klamme Hansestadt ist schon lange nicht mehr in der Lage, ausreichend in ihre Infrastruktur zu investieren. Seit Jahren mussten die Airport- Mitarbeiter um ihre Jobs zittern. Stöcker will nun den schon vor Jahren beschlossenen Ausbau des Flughafens vorantreiben und dafür elf Millionen Euro ausgeben. Dabei geht es ihm kurzfristig um den Erhalt des Flughafens und erst mittelfristig um ein Geschäftsmodell. Stöcker, der ideale Investor?

Es sind nicht nur die erbitterten Gegner der Landebahn im Süden Lübecks, die den Deal kritisch beobachten. Denn Stöcker, einer der erfolgreichsten Unternehmer in der Region, hatte vor zwei Jahren ganz ohne Not selbst hässliche Schlagzeilen verursacht. Der im sächsischen Rennersdorf aufgewachsene Stöcker hatte in Görlitz ein Jugendstil-Kaufhaus restaurieren lassen und dort eine Benefiz-Veranstaltung für Flüchtlinge untersagt. In einem Interview mit der „Sächsischen Zeitung“ offenbarte Stöcker dann seine – gelinde gesagt – sehr einfache Sicht auf die Flüchtlingsproblematik.

Als rassistisch und menschenverachtend wurde das Interview öffentlich wahrgenommen. Die Welle der Empörung erreichte den Wissenschaftler auch in Lübeck, wo der Asta der Universität forderte, Stöcker die Honorarprofessur zu entziehen. Das Präsidium der Hochschule lehnte das ab. Stöcker selbst bedauerte seine „nicht angebrachten Formulierungen“. Er bezeichnete sich jüngst als „Philanthrop, noch bei Verstand, dem die Narretei der Kanzlerin wie Millionen anderen den Schlaf raubt“.

So viel ist sicher: Mit dem streitbaren Professor hat die Stadt Lübeck einen finanziell unabhängigen, aber auch alles andere als pflegeleichten Flughafen-Betreiber gefunden. Weil die Entwicklung des Airports eine politisch brisante Angelegenheit ist und es auch bleiben wird, möchte man Stöcker vor allem wünschen, dass er die richtigen Berater findet. Und auf diese auch hören wird.

Ein neues Kapital in der Geschichte des Lübecker Flughafens ist eröffnet. Es dürfte spannend werden.

Ein Kommentar von Gerald Goetsch

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