Volltextsuche über das Angebot:

18 ° / 12 ° wolkig

Navigation:
Kalter Krieg und heiße Worte: Der Münchner Sicherheitskonferenz fehlt es an Lösungen

Kommentar Kalter Krieg und heiße Worte: Der Münchner Sicherheitskonferenz fehlt es an Lösungen

Es ist der Tag der Verliebten, dieser 14. Februar — doch auf freundliche oder gar liebevolle Worte aus dem Bayrischen Hof sollte man heute nicht viel Hoffnung setzen. Es bläst ein rauer Wind durch die Sitzungsräume der 52. Münchner Sicherheitskonferenz.

Voriger Artikel
Die Waffenruhe für Syrien hängt an einer Frage der Definition
Nächster Artikel
Das Vorgehen Ankaras gegen die Kurden birgt große Risiken

Ein Kommentar von Uwe Nesemann.

 Vordergründig wollen die 23 Staats- und Regierungschefs mit ihrem Gefolge alle dasselbe, nämlich Frieden, Kooperation und Stabilität. Doch schon bei der Frage, wie man dorthin gelangen kann, herrscht Zwietracht unter den Mächtigen der Welt. Und wenn es gar darum geht, wer denn schuld sei am derzeitigen Schlamassel, zeigt man sich die Zähne und überhäuft sich mit Vorwürfen. Wenn so der Weg zum Frieden aussieht, dann ist er ein schwieriger Weg.

Eine Überraschung ist das nicht. Die dreitägige Konferenz im Nobelhotel am Münchner Promenadeplatz ist ja kein Treffen von Freunden, und angesichts der derzeitigen Großwetterlage muss man schon froh sein, wer da alles gekommen ist. Aber wie es scheint, sind viele in erster Linie angereist, um kräftig Dampf abzulassen; die MSC (Munich Security Conference) ist ein Ort der klaren Kante. Wenn Russlands Premier Medwedew von einer Rückkehr des Kalten Krieges spricht, lässt das an Deutlichkeit nichts vermissen. Wer da zwischen den Zeilen lesen will, kann sich die Mühe sparen — da steht nichts.

Angesichts dessen sind Zweifel erlaubt, ob diese Konferenz auch nur ein einziges der vielen Weltprobleme lösen kann. Und wie viel etwa das am Vortag erarbeitete Papier zur Feuerpause in Syrien am Ende wirklich wert ist. Viel Hoffnung, dass es zur Befriedung beiträgt, will sich nicht einstellen.

Dabei müsste eigentlich allen klar sein, dass die Zeit unter den Nägeln brennt. Erst recht, weil es in München eben nicht um lokal oder regional begrenzte Konflikte ohne direkte Auswirkungen auf den Rest der Welt geht. Das Damoklesschwert des Terrors, das Horrorregime des IS, die Bomben in Syrien und der Ukraine sowie die Flüchtlingskrise in Westeuropa — all das ist ja unmittelbar miteinander verwebt. Es geht in München auch um uns: Wer Sicherheit in deutschen Städten will, der braucht Frieden in Syrien und Lösungen für das Elend im Nahen Osten. Die aber scheint auch in München niemand im Gepäck zu haben.

Auch nicht die EU, die dieser Tage eine — vorsichtig formuliert — unglückliche Rolle spielt. Zerfahren und uneins tritt das Bündnis auf, ratlos wirken jene, die auf geschlossene Reihen gehofft hatten. Wieder sieht es so aus, als zermürbten nationale Interessen das Gefüge der Union.

Der Krieg tobt unterdessen weiter, unbeirrt und unbeeindruckt vom Münchner Säbelrasseln. Vielleicht übertreibt Medwedew mit seiner Klage über den Kalten Krieg — die Heißen Kriege sind jedenfalls Realität. Und glaube niemand mehr, dies ginge uns nichts an — die Rechnung werden wir alle zahlen.

Ein Kommentar von Uwe Nesemann

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr zum Artikel
München
Der russische Regierungschef Dmitri Medwedew (50) sagt: „Wir sind in die Zeiten eines neuen Kalten Krieges abgerutscht.“

Doppeltes Spiel: Erst schrille, dann versöhnliche Töne — Russland gibt sich beim wichtigsten sicherheitspolitischen Forum der Welt in der Sache kooperationsbereit.

  • Kommentare
Kostenpflichtiger Inhalt mehr
Sonntagsreden

Von Börse bis Fußballplatz - Blogs unserer "Edelfedern".

Kommentar

Bissig, polemisch, kontrovers: Kommentare aus den LN.

Am Sonntag, 5. November, sind Bürgermeister-Wahlen in Lübeck. Gehen Sie hin und geben Ihre Stimme ab?

Reporter vor Ort

In einer fortlaufenden Galerie zeigen wir Ihnen jeden Tag die wichtigsten Bilder aus Lübeck und den umliegenden Kreisen. An dieser Stelle finden Sie die Galerie für den Oktober 2017.