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Kein Kinderspiel am Computer

Bei PC-Spielen hat Deutschland den Anschluss verpasst. Kein Kinderspiel am Computer

Durch Deutschlands Familien geht ein Riss. Was für den Nachwuchs längst integraler Bestandteil der Freizeitgestaltung ist, halten Eltern oft für pure Zeitverschwendung.

Durch Deutschlands Familien geht ein Riss. Was für den Nachwuchs längst integraler Bestandteil der Freizeitgestaltung ist, halten Eltern oft für pure Zeitverschwendung. Die Rede ist vom Computerspielen, vom Gamen, Daddeln oder Zocken, je nach Herkunft oder Freundeskreis. Längst haben sich die Spiele zum Massenphänomen entwickelt. Rund 30 Millionen Deutsche greifen regelmäßig zu Smartphone, Konsole oder PC, um sich die Zeit mit digitalen Abenteuern zu vertreiben. Die Professionalisierung der Branche lässt sich gerade wieder bei der weltweit größten Messe für Computerspiele, der Gamescom in Köln, bestaunen.

 

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Von Andreas Niesmann

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Aber trotz ihres Siegeszuges haben Computerspiele hierzulande noch immer einen schlechten Ruf. Das liegt nicht nur an den Eltern, die um die schulischen Leistungen ihrer dauerdaddelnden Kinder fürchten. Auch Politiker und Medien diskutieren Videospiele vor allem im Kontext von Sucht oder Gewalt – wie zuletzt nach dem Amoklauf von München.

Das muss sich schleunigst ändern. Denn Computerspiele sind heute vor allem eines: ein Riesengeschäft. Rund 142 Milliarden Euro setzt die Branche weltweit um, etwa drei Milliarden Euro davon in Deutschland. Zum Vergleich: Der deutsche Buchhandel hat im vergangenen Jahr rund 9 Milliarden Euro umgesetzt. Während die Buch-Umsätze bestenfalls stagnieren, legt die Gaming-Branche rasant zu.

Zweistellige Zuwachsraten sind keine Seltenheit. Große Studios geben Millionen für die Entwicklung neuer Spiele aus, vom Aufwand her können es manche Spieleproduktionen inzwischen locker mit großen Hollywood-Filmen aufnehmen.

An Deutschland allerdings geht dieser Trend vorbei. Von den 60 erfolgreichsten Spielen 2015 wurde kein einziges hierzulande entwickelt. Das Land der Dichter und Denker verpasst den Anschluss an einen wichtigen Zukunftsmarkt – auch deshalb, weil es sich beharrlich weigert, Computerspiele als Kulturprodukt zu begreifen. Im europäischen Ausland ist man da längst weiter. Spieleproduktionen werden wie selbstverständlich staatlich gefördert. Kein Wunder, dass die Branche auch in Deutschland nach öffentlichen Zuwendungen ruft.

Für den Fiskus muss das kein Minusgeschäft sein. Kluge Förderpolitik könnte Millionenbudgets anglocken. Über Steuern und Sozialabgaben würde der Staat das investierte Geld im Erfolgsfall mit Rendite zurückbekommen. Rund 30000 Arbeitsplätze gibt es in der Szene, laut Branchenverband BIU könnten es rund 100000 sein. Und mal ehrlich: Wie will man einem Gaming-Fan erklären, dass jährlich weit über 100 Millionen Euro in die Filmförderung fließen, Spiele-Studios jedoch keinen Cent bekommen?

Für die jüngere Generation sind Computerspiele das, was das Vorabendprogramm für die ältere ist: Manchmal gut, manchmal schlecht gemachte Unterhaltung. Bericht Seite XII

LN

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