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Keine Panik in der Apotheke

Arznei-Versand wird die Branche nicht an den Bettelstab bringen. Keine Panik in der Apotheke

Als gestern das Urteil des Europäischen Gerichtshofs bekannt wurde, trauten Deutschlands Apotheker ihren Ohren nicht: Soll im Ernst die seit Jahrzehnten geltende ...

Als gestern das Urteil des Europäischen Gerichtshofs bekannt wurde, trauten Deutschlands Apotheker ihren Ohren nicht: Soll im Ernst die seit Jahrzehnten geltende Preisbindung für verschreibungspflichtige Medikamente fallen? Und soll nun wirklich das eben noch so harmonische Miteinander von Politik und Pharmazeuten plötzlich zu Ende sein?

 

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Von Jens Heitmann

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Die Apotheker waren immer stolz auf ihre Lobbyarbeit in Berlin – doch im Jahr 2011 wurden sie ausgerechnet von der FDP kalt erwischt. Mit dem Arzneimittelmarktneuordnungsgesetz wollte der damalige liberale Gesundheitsminister Philipp Rösler vor allem die Preistreiberei der Pharmaindustrie stoppen – die Nebenwirkungen aber spürten am Ende auch die Apotheker in ihrer eigenen Kasse: Der damals gesetzlich verordnete Mix aus Zwangsrabatten und Abschlägen kostete sie Umsatz und Gewinn.

Seither agieren die Interessenvertreter der Apotheker vorsichtiger und entschlossener zugleich. Hinter den Kulissen war es ihnen zuletzt gelungen, die Einbußen zu minimieren und die Einkommen wieder auf das gewohnte Niveau zu heben: Im aktuellen Arzneimittelgesetzentwurf von Union und SPD steht eine satte Honorarerhöhung um 100 Millionen Euro.

Politisch schien aus Sicht der Apotheker die Gefahr eines Wettbewerbs gegen ihren Willen fürs erste gebannt. Zufrieden blickte man auch auf ein juristisches Bollwerk: Höchste Instanzen der deutschen Justiz hatten entschieden, dass für verschreibungspflichtige Medikamente immer die fixen deutschen Apothekenabgabepreise gelten. Der Gesetzgeber schrieb die Regel sogar noch ins Arzneimittelgesetz.

Die richterlichen Kollegen in Luxemburg scherte das aber nicht: Der Europäische Gerichtshof hat die Preisbindung gestern gekippt. Die Empörung der Apotheker folgte auf dem Fuße: Um „ungezügelte Marktkräfte“ zu bremsen, müsse die Politik notfalls den Versandhandel mit rezeptpflichtigen Arzneien komplett verbieten. Soviel Panik vor möglicher Konkurrenz ist schon deshalb erstaunlich, weil die meisten Apotheker den Wettbewerb bisher gut überstanden und zu ihrem Vorteil genutzt haben.

Seit der Arznei-Versandhandel 2004 zugelassen wurde, ist die Zahl der Apotheken nur um ein halbes Prozent gesunken. Muss eine Apotheke schließen, liegt das nicht am Versandhandel, sondern am Strukturwandel: Kleine Filialen mit wenig Umsatz tun sich schwer – zugleich aber steigt die Zahl der Pharmazeuten, die mehr als nur eine Apotheke betreiben.

Auch als das Fremdbesitzverbot für Apotheken in Frage stand, hat die Lobby den Untergang der Branche beschworen. Im Ergebnis gibt es statt großer Ketten jetzt viele kleine. Den Kunden ist das alles egal: Sie wollen eine schnelle, sichere, kostengünstige Versorgung mit Medikamenten – da kann etwas mehr Markt nicht schaden.

LN

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