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Kluft zwischen Rente und Realität

Üppiger Rentenanstieg ist kein Grund zur Gelassenheit. Kluft zwischen Rente und Realität

Der heutige Tag bringt für die gut 20 Millionen Rentner in Deutschland einen Grund zur Freude. Im Westen erhalten sie 4,25 Prozent mehr Geld, im Osten 5,95 Prozent.

Der heutige Tag bringt für die gut 20 Millionen Rentner in Deutschland einen Grund zur Freude. Im Westen erhalten sie 4,25 Prozent mehr Geld, im Osten 5,95 Prozent. Die Rentner profitieren von gestiegenen Einkommen und der guten Beschäftigungslage. Vor allem aber kommt ihnen eine Änderung der Berechnungsgrundlage zugute: Im vergangenen Jahr fiel die Rentenanpassung zu niedrig aus. Der Verlust wird jetzt ausgeglichen. Somit beruht die üppigste Rentenerhöhung seit 23 Jahren auf einem einmaligen Sondereffekt.

 

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Von Marina Kormbaki

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Es ist ein Umstand, der die Freude am Rentenplus trübt und doch betont werden muss, damit keine falschen Hoffnungen aufkommen. Zuwächse auf diesem Niveau wird es wohl nicht wieder geben. Und: So wie es ist, ist das deutsche Rentensystem nicht mehr lange finanzierbar sein. Eigentlich weiß das jeder. Doch statt den generationenübergreifenden Wandel einzuleiten oder zumindest einige Ideen umzusetzen, die es erlauben würden, die guten Zeiten etwas länger auszukosten, beschleunigt die Rentenpolitik deren Ende.

Rente mit 63, Mütterrente, Debatte um eine Anhebung des Rentenniveaus Richtung 50 Prozent: Indizien dafür, dass Rentenpolitik Verdrängungspolitik ist. Die demografische Entwicklung blendet man aus.

SPD, Union und Gewerkschaften unterstellen, dass die Bevölkerungsstruktur, aus der das Rentensystem hervorging, unendlich gültig bleibt. In den Sechziger- und Siebzigerjahren waren die älteren Jahrgänge vom Krieg verringert, während der neue Wohlstand einen Babyboom zur Folge hatte. 1960 kamen auf einen Rentner sechs Erwerbstätige, heute sind es drei, 2030 werden es zwei sein. Wie sollen die Jungen die Alten finanzieren? Darauf muss Politik antworten – schnell.

Rentner sind eine mächtige Wählergruppe. Natürlich muss die Politik ihre Belange ernst nehmen. Sie darf darüber jedoch jene nicht vergessen, die nach 2030 in den Ruhestand gehen werden. Über Altersarmut wird mit Blick auf die heutige Rentnergeneration gesprochen, obwohl es ihr insgesamt besser geht als ihren Vorgängern. Die schrill und mit verzerrenden Statistiken geführte Debatte trägt dazu bei, dass sich die, um die es eigentlich geht, nicht angesprochen fühlen: die 30- bis 50-Jährigen.

Die Reform des Rentensystems ist kein Projekt für eine Wahlperiode; sie taugt nicht zum Wahlkampfthema. Es ist höchste Zeit zur Bildung einer überparteilichen Kommission, die Vorschläge entwickelt für die Alterssicherung künftiger Generationen. Ein stärker steuerfinanziertes System sollte ebenso erwogen werden wie die stärkere Förderung privater Vorsorge; die Einbeziehung von Beamten und Selbstständigen in die gesetzliche Rentenversicherung sollte kein Denktabu sein – auch nicht die Anhebung des Rentenalters. Rente und Realität müssen zueinanderfinden. Bericht

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LN

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