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Krieg und Frieden

Die Bomben von Brüssel und die ganz alltägliche Angst. Krieg und Frieden

Die katholische Liturgie hat eine klare Vorstellung von jener Zeit, in der wir uns gerade befinden.

Die katholische Liturgie hat eine klare Vorstellung von jener Zeit, in der wir uns gerade befinden. Die „stille Woche“ werden diese Tage von Palmsonntag bis Karsamstag genannt, oder auch die „Heilige Woche“, bevor dann das wichtigste Fest der Christenheit beginnt. Aber mit still hatte das, was die Welt diesmal erleben musste, nichts zu tun, und mit heilig schon gar nicht. Tod und Terror sind zurück in unserem Alltag. Frohe Ostern? Die Freude ist verhalten.

 

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Von Uwe Nesemann

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Die Bomben von Brüssel haben Europa und die Europäer an diesem Dienstag der Karwoche an empfindlicher Stelle getroffen. Was sich am 13. November 2015 in Paris ankündigte, ist seit dem 22. März 2016 selbst von den naivsten Geistern nicht länger zu leugnen: Wir sind nicht mehr sicher. Nirgendwo. Die Terroristen sind in unserer Mitte, und wir erleben ein nicht gekanntes Gefühl der Schutzlosigkeit.

Der Tod lauert überall auf dem Kontinent, vielleicht schon an der nächsten Ecke. Niemand weiß, wann und wo die nächsten Bomben explodieren — aber sicher ist, dass sie hochgehen werden.

Dem niederländischen Philosophen Baruch de Spinoza wird der immer wieder gerne zitierte Satz zugeschrieben, Frieden sei nicht nur einfach die Abwesenheit von Krieg. Was noch niemand gesagt hat: Krieg ist auch nicht nur einfach die Abwesenheit von Frieden. Krieg im 21. Jahrhundert hat nicht mehr viel zu tun mit geordneten Schlachtenreihen, und es ist auch nicht mehr so, dass Armeen verschiedener Länder gegeneinander aufmarschieren. Der moderne Krieg (welch eine abscheuliche Wortfügung!) tobt sich auf anderer Ebene aus. Die krude Logik von Mörderbanden wie dem IS geht ja so:

Westliche Staaten beteiligen sich an den Feldzügen gegen den Islamischen Staat, also tragen wir den Terror zurück in diese Länder. Auge um Auge, Bombe um Bombe. Es braucht schon ein dickes Fell, um angesichts all dessen abzustreiten, dass wir uns im Krieg befinden. Und zwar in einem, zu dessen Waffen auch die Verbreitung nackter Angst gehört.

Natürlich ist dieser Krieg, wenn wir ihn denn so nennen wollen, für fast alle von uns noch immer weit weg. Die Gefahr ist da, aber die Wahrscheinlichkeit, selber getroffen werden, statistisch gesehen nahe Null. Nur deshalb sind ja jene wie im Reflex rausgeplapperten „Jetzt-erst- recht“-Appelle, man dürfe nicht vor dem Terror einknicken, überhaupt zu ertragen. (Ganz im Gegensatz zu dem Geschrei rechter Rattenfänger, die genauso reflexartig in jedem Flüchtlingsheim eine Terrorzelle vermuten.) Kopf hoch also? Wie es aussieht, ist das der einzige Weg: Den Terror bekämpfen, ohne wirklich zu glauben, diesen Kampf je gewinnen zu können. Die Gefahr als Tatsache anerkennen, ohne in Angst zu erstarren. Und was die Feiertage angeht: Frohe Ostern, trotz allem — es geht gar nicht anders. Berichte Seite 4

LN

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