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Langweiliger Wahlkampf? Von wegen!

LEITARTIKEL Langweiliger Wahlkampf? Von wegen!

Es ist das wohl am häufigsten verwendete Adjektiv in Zusammenhang mit dem Bundestagswahlkampf 2017: „langweilig“.

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Von Nick Vogler

Es ist das wohl am häufigsten verwendete Adjektiv in Zusammenhang mit dem Bundestagswahlkampf 2017: „langweilig“. Zu ähnlich seien sich Angela Merkel und Martin Schulz, zu dicht beieinander die Ansichten der Kanzlerkandidaten von Union und SPD. Die Wahl sei gar schon entschieden, zu groß der Vorsprung der Union, wird geunkt. Beim besten Willen: Nur um für mehr Spannung zu sorgen, muss ein Wahlkampf nicht anders geführt werden. Dass zwei Spitzenpolitiker sich auf Augenhöhe begegnen, ist wirklich nicht kritikwürdig. Und die Wahl sei schon entschieden? Diesen Beweis müssten die Floskelbenutzer erst noch antreten. Im Gegenteil: Wer kann mit wem regieren? Wer werden in den kommenden Jahren die handelnden Personen im Bundestag sein? Die Wahl am nächsten Sonntag wird sich auf die Region unmittelbar auswirken.

„Merkel oder Schulz – jeder von ihnen wäre für Deutschland eine unvergleichlich bessere Lösung, als es ein Trump für die USA nach einem turbulenten Wahlkampf geworden ist.

Die Rechenspiele aufgrund von Umfragen sind für Wähler und Parteien gleichermaßen mit Vorsicht zu genießen: Umfragen können zwar einen Trend anzeigen, bergen aber Fehler in sich – und am Wahltag sind Überraschungen nie auszuschließen. Laut ZDF-Politbarometer sind jetzt immer noch 39 Prozent der Wähler unsicher, wen sie wählen werden. Was, wenn es einer Partei gelingt, in der kommenden Woche noch ein Vielzahl dieser Wähler für sich zu gewinnen? Nein: Eine Wahl ist erst nach dem Auszählen aller Stimmen entschieden, und die müssen dafür erst mal abgegeben werden, sonst hilft alle Rechnerei vorneweg erst recht nichts.

Auch im Norden wird sich einiges verändern nach der Wahl. Wird die Kieler Jamaika-Koalition zu einer Blaupause für die künftige Berliner Regierung? Das würde die bundespolitische Bedeutung des kleinen Schleswig-Holstein steigern. Der als wahrscheinlich geltende Wechsel von Platzhirsch Wolfgang Kubicki in den Bundestag könnte in der Nord-FDP einen Machtkampf auslösen. Unter Beobachtung werden auch die Vertreter der AfD stehen. Im Kieler Landtag blieb die Partei, die Protestwähler auf sich vereinen will, bisher blass. Nun könnten Kandidaten aus dem Norden in den Bundestag einziehen – man wird sehen, wie sie dort auftreten und wie die anderen Parteien sich der AfD-Fraktion gegenüber positionieren werden. Es bleibt also spannend – übrigens über den Wahlabend hinaus.

Und die angeblich langweiligen Kanzlerkandidaten? Das, was Spötter als Langeweile interpretieren, ist in Wahrheit politisch überlegtes und menschlich geerdetes Auftreten. Beide, ob Merkel oder Schulz, sind vorzügliche Moderatoren in Zeiten, in denen es immer wichtiger wird, tragfähige Kompromisse zu erzielen. Jeder von ihnen wäre für Deutschland eine unvergleichlich bessere Lösung, als es ein Trump für die USA nach einem turbulenten Wahlkampf geworden ist.

LN

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