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Mehr als ein Fototermin

Japan und die USA betonen heute ihre Nähe zueinander. Mehr als ein Fototermin

Barack Obama hat als erster US-Präsident Hiroshima besucht – und das ist weit mehr als nur eine symbolische Geste.

Barack Obama hat als erster US-Präsident Hiroshima besucht – und das ist weit mehr als nur eine symbolische Geste. Ebenso wie mit seinem Besuch auf Kuba überwindet Obama auch jetzt alte Grenzen und fordert dazu auf, neue Wege in der internationalen Politik zu gehen. Es liegen wieder „Hope and Change“ in der Luft – auch wenn das frühere Wahlkampfmotto Obamas längst an Glanz verloren hat.

 

LN-Bild

Von Stefan Koch

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Sein Appell, nach einer atomwaffenfreien Welt zu streben, mag angesichts des amerikanischen Arsenals auf den ersten Blick doppelzüngig klingen. Nach wie vor verfügen die Militärs über genügend A-Bomben, um den Planeten mehrfach zu zerstören. Dennoch hält der Chef des Weißen Hauses die Abrüstungsrunden nicht nur auf der Agenda der internationalen Diplomatie, er geht auch selbst in kleinen Schritten voran: Unter seiner Ägide wurde immerhin die weitere Reduzierung der amerikanischen und russischen Bestände vereinbart. Und es ist das Verdienst des 44. Präsidenten der USA, angesichts der Terrorgefahren die Sensibilität im Umgang mit spaltbarem Material weltweit erhöht zu haben. Die von ihm initiierten Nukleargipfel tragen derzeit dazu bei, die gefährlichen Bestände im zivilen Bereich zu reduzieren.

Zu Beginn seiner Amtszeit hatte Obama mit seiner Rede in Prag die Hoffnung geweckt, dass sich die Welt vielleicht schon in absehbarer Zeit von den Massenvernichtungswaffen befreien lässt. Sieben Jahre später zeigt sich, dass dieses Ziel zu hoch gesteckt war, aber der Weg in die richtige Richtung weist. Es geht dabei nicht allein um die Gefahr durch Kernwaffen. Es stellt sich auch die Frage:

Wie soll eine neue Sicherheitsarchitektur eigentlich aussehen?

Das lässt sich schon in Japan ablesen: Die Regierung von Ministerpräsident Shinzo Abe würdigt Obamas Besuch in Hiroshima, ist aber weit davon entfernt, die US-Militärmacht grundsätzlich in Zweifel zu ziehen. Angesichts seiner schwierigen Nachbarschaft weiß Tokio den Washingtoner Schutzschild sehr zu schätzen. Gäbe es weder Luftwaffe noch Atomwaffen, wäre die Verteidigung kleiner Staaten gegenüber großen Nachbarn sehr viel schwerer.

Sogar in Vietnam sieht man die Dinge heute differenziert. Auf seiner Stippvisite beim einstigen Kriegsgegner wurde Obama vor einigen Tagen im Vorfeld des G7-Gipfels mit offenen Armen empfangen.

Selbst die Kommunisten in Hanoi wünschen sich angesichts eines übermächtigen und atomar bewaffneten Chinas eine engere Partnerschaft mit dem Klassenfeind USA.

Einmal mehr zeigt sich: Das Prinzip der atomaren Abschreckung wird, allen Bedenken zum Trotz, in vielen Ecken der Welt noch immer sehr geschätzt. Es spricht für Obama, dass er trotzdem hartnäckig nach einem neuen Modell für eine überzeugende Sicherheitsarchitektur Ausschau hält. Ein Besuch in Hiroshima ist eben mehr als ein Fototermin.

LN

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