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Mein Flüchtling, dein Flüchtling

Bürokratie erschwert die Unterbringung von Migranten. Mein Flüchtling, dein Flüchtling

Manchmal kann der Steuerzahler nur noch verständnislos mit dem Kopf schütteln, wenn er sieht, wie Behörden in Sachen Flüchtlingsunterbringung miteinander umgehen.

Manchmal kann der Steuerzahler nur noch verständnislos mit dem Kopf schütteln, wenn er sieht, wie Behörden in Sachen Flüchtlingsunterbringung miteinander umgehen. Die Lübecker Sozialverwaltung musste sich heftige Kritik anhören, weil sie über 400 Geflüchtete für viel Geld in Notunterkünfte steckt, während gleichzeitig 1000 Plätze in der Erstaufnahme des Landes auf dem Volksfestplatz leerstehen.

Während der Laie denkt, dass die Stadt die freien Kapazitäten des Landes sinnvoll nutzen könnte, türmen die Experten Berge von Bedenken auf. Mein persönlicher Favorit: In einer Erstaufnahme werden Flüchtlinge von einem Caterer versorgt und können nicht selber kochen. Selber zu kochen sei aber Teil der Integration. Soll man da lachen oder weinen?

Die Situation – hier leerstehende Landesplätze, dort teure städtische Notunterkünfte – ist so absurd, dass der Kieler Innenminister Stefan Studt (SPD) sich zum Handeln gezwungen sah. Jetzt sei nicht die Zeit für Feilschereien, sondern für pragmatische Lösungen, erklärte Studt und bot den Lübeckern die Übernahme der Erstaufnahme auf dem Volksfestplatz an. Und die Hansestadt denkt ernsthaft darüber nach. Na endlich, möchte man rufen. Obwohl, es ist noch nicht in trockenen Tüchern. Es gibt da von Seiten der Stadt noch Bedenken wegen der Laufzeit der Container sowie den fehlenden Nasszellen, und die vorhandene Schule sowie Kita wollen sie auch nicht übernehmen.

Wie elegant wirkt da die noble Geste vom Innenminister. Doch das täuscht. Sein Haus hat sich in Sachen Volksfestplatz auch nicht mit Ruhm bekleckert. Bis in die letzten Tage sandte das Ministerium widersprüchliche Signale, ob es weiter mit der Erstaufnahme auf dem Volksfestplatz plant oder nicht. Das Aus, das Studt jetzt für die Einrichtung verkündete, hat die Hansestadt völlig überrascht.

Weil Funkstille herrscht. Das Ministerium wartet auf Signale der Lübecker. Die sagen, soll sich das Land doch rühren. Das muss man sich auf der Zunge zergehen lassen. Dieses Land steht vor der größten Herausforderung seit der Wiedervereinigung und die Herrschaften reden nicht miteinander.

Dabei brauchen sie sich gegenseitig. Lübeck hat gerade viel Pech mit seinen Gemeinschaftsunterkünften. Die an der Ostseestraße in Travemünde ist von einem Gericht lahmgelegt. Ein Investor, der im Stadtgebiet drei neue Flüchtlingshäuser bauen sollte, hat sich davon gemacht. Eine andere, fertige Unterkunft auf dem Priwall darf der Sozialsenator nicht mieten, weil eine Mehrheit der Bürgerschaft dagegen ist. Auch der Innenminister könnte schnell wieder auf Lübeck angewiesen sein. Wenn die Flüchtlingszahlen wieder steigen sollten, braucht er eine Erstaufnahme in der Hansestadt. Das gestörte Verhältnis zwischen Land und Stadt in dieser Angelegenheit nützt niemandem – und zu allerletzt den Flüchtlingen. Bericht Lokales

LN

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